Montag, 24. Februar 2014

Geschafft! Nicht geschafft?!

Noch 4 Tage bis zum Ende des Projektes
   



Der letzte Post ist allen gewidmet, die gelesen, Infos gesammelt, Anteil genommen,  mich begleitet und nachgefragt haben. Danke für Eure Unterstützung!





Es geht los ....

Das Allerschwerste waren die Fotos! Als ich vor fast einem Jahr meinen Blog startete, hätte ich nie daran geglaubt, dass mir fehlende Bilder das Schreiben vermiesen würden. Zwar hatte ich eine Vorstellung davon, dass ich alle Fotos selber machen wollte, aber schon nach dem ersten Ausflug in die Stadt, der mir die wunderbaren Portraits des ersten Posts bescherte, war mir klar, dass Fotos eine Herausforderung werden würden ...

Mein Ziel, ein Jahr lang nicht zu shoppen, habe ich nicht erreicht! In diesem Blog habe ich offen dargestellt, wie groß die Versuchung und wie schwer das Widerstehen ist.
Trotzdem habe ich sehr wenig gekauft und ein hübsches Sümmchen angespart. Vom Little Black Jacket habe ich  Abschied genommen: diese wunderbare Jacke paßt definitiv nicht in meine Welt. Mode ändert sich so schnell und die Idee, in Mode zu investieren um dieses Jäckchen an meine Tochter weitergeben zu können, ist nicht wirklich gut. Chanel Jäckchen aus den achtziger oder neunziger Jahren zeigen, dass sie mit der Zeit verlieren. Leider!

Was bleibt, ist eine Idee von Konsum, der sich auf klassische, nicht trendorientierte, individuelle Mode beschränken soll - also auf Stil!

Ich bin weiterhin auf der Suche nach meinem Stil, den ich jetzt als Vintage, Clochard, Ethno und mädchenhaft beschreiben würde, der sich aber sicherlich auch wieder ändert. 
Eine andere tolle Erkenntnis gibt es auch noch, die den Einzelhändlern sicherlich nicht gefallen mag: ich bin nicht mehr bereit den vollen Preis für ein teures Kleidungsstück zu bezahlen: tolle Angebote in vituellen Kaufhäusern, Preisreduzierung zur Saisonmitte, drastische Preisnachlässe zum Saisonende zeigen, machen die Jagd zu einem Vergnügen.
Allerding muss die Jägerin spätestens an dieser Stelle acht geben, dass sie nicht zu einer Sammlerin wird!



Mittwoch, 18. Dezember 2013

Last Christmas

Noch 67 Tage bis zum Ende des Projektes.

Der 34. Post ist meinem Friseur Peter gewidmet: sorry aber ich muß den Termin am Freitag leider absagen!




Eddie Constantin, Francois Truffaut und ein Unbekannter in einem Hotel in Südfrankreich. Der Fotograf, der sein Studio direkt gegenüber dem Hotel hatte, verkaufte dieses Foto in den 1980er Jahren als Souvenir an Touristen .



Rieke feiert einen runden Geburtstag und lädt zur Mottoparty am Freitag ein. Ihr Jahrzent sind die 80er Jahre und deswegen lautet das Motto "Wham! Last Christmas ...". 
Ich halte es für eine tolle Idee, mit einer Party in die Weihnachtstage zu starten und war auch anfangs von dem Motto sehr begeistert. Schließlich waren die Achtziger Jahre auch mein Jahrzehnt - ohne große Modesünden und mit viel Spaß. So wie es für die Historiker das "lange 19. Jahrhundert" gibt, existieren für mich die "langen achtziger Jahre", die erst 1993 zu Ende gingen, als für mich ein neuer Lebensabschnitt begann..

Ein Blick ins Fotoalbum hat mich direkt wehmütig gemacht. Mein Gott, was waren wir damals jung. Wußten wir eigentlich, wie gut wir aussahen? Haben wir das jemals genossen? Ich nicht! Es war einfach so.

Eine Mottoparty verlangt nach dem angemessenem Outfit, also wurde ein Termin beim Friseur für Haare und Make up vereinbart. Klamottentechnisch war ich nicht bereit, mich in Aerobic Kleidung zu schmeißen, mir Schulterpolster in den Blazer zu nähen oder wie eine Dallas-Lady aufzulaufen. Die Haare im Retrostyle mußten reichen. Vielleicht noch ein paar geschmacklose Ohrringe? Etwas Schmuck? Ringe? Ketten? Ich habe fast zwei Stunden bei Karstadt vor dem Billigschmuck verbracht (und die Auswahl ist beträchtlich!!), um etwas Passendes zu finden. Weil nichts mir zusagte, habe ich noch eine Stunde draufgelegt und bin rüber in die Klamottenabteilung, um 80er Jahre Style zu shoppen. Wieder nichts! Rüber zu Zara - auch da: das bin ich nicht! Völlig genervt, weil ich nichts kaufen wollte, vielleicht aber sollte bin ich dann nach Hause gefahren mit der Vorstellung, dass ich Freitag nachmittag zum Friseur gehe, dort eineinhalb Stunden an mir herumzuppeln lasse, die Zeit vor der Party gestylt wie ein Zirkuspferd in einer Bar etwas trinke und von Leuten angeschaut werde, die wahrscheinlich denken, dass ich immer so herumlaufen muß. NIEMALS!

Also werde ich etwas Schönes anziehen, den Abend genießen und stolz darauf sein, dass ich immer dann, wenn ich etwas kaufen soll, nichts kaufen will! Wieder mal geschafft!

Donnerstag, 12. Dezember 2013

...alles shoppt, einer lacht ....

Noch 73 Tage bis zum Ende des Projektes.


Der 33. Post ist den Orten gewidmet, mit denen wir schöne Erinnerungen verbinden; z.B. den Okerterrassen in Braunschweig.



Souvenirs von gestern ohne Rentierfell











Das Leben spielt manchmal verrückt. Fast ein Jahr lang bemühe ich mich, nicht mehr ans Shoppen zu denken und kaum beginnt die Vorweihnachtszeit, die Zeit, in der ich nach Herzenslust Geschenke planen, einkaufen und verpacken könnte, verläßt mich der gute Wille.
Ich habe gar keine Lust zu shoppen.

Viel schöner ist es in diesen Tagen am Abend daheim zu sitzen, den Kindern den Fernseher zu überlassen, um es drinnen gemütlich zu haben. Wer will in diesen Wochen in stressigen Fußgängerzonen nach Geschenken suchen, mit klammen Fingern nach Kleingeld für Straßenmusikanten fummeln und sich darüber ärgern, dass die Straßenbahnen am Ende des Tages überfüllt sind (wenn sie überhaupt kommen)?

Dagegen ist Tee oder Glühwein trinken und hübsches Geschmeide für die Freundinnen zu basteln doch ein viel kontemplativerer Ausklang für nasskalte Tage. Geschenke für die Männer besorgt traditionell der Gatte, befreundete Kinder, Mutter und Schwiegermutter werden mit Geschenken bedacht, die per Telefonanruf im nächsten Buchladen nach zwei Tagen zur Abholung bereit stehen.
Allein der Weihnachtswichtel stellt höhere Anforderungen an mich. Seit einigen Tagen hängen vier Wunschzettel am Kühlschrank, auf den jedes Familienmitglied Wünsche an seinen Weihnachtswichtel geschrieben hat. Obwohl das jüngste (und sich für das Klügste haltende) Familienmitglied (wie jedes Jahr) nach der Namenslotterie behauptet hat, zu wissen, wer wen beschenken darf - ist das Wichteln bis zur Bescherung Geheimsache.



Sonntag, 1. Dezember 2013

Zeitreise

Noch 84 Tage bis zum Ende des Projektes.


Der 32. Post ist meinem Liebsten gewidmet, mit dem ich gestern eine Zeitreise in die Vergangenheit unternahm.



Stuhlmacher in Westalens Hauptstadt Münster    






Nach mehr als zwanzig Jahren zu Stuhlmacher eine Kleinigkeit essen gehen, dem Pianisten auf dem lichtergeschmückten Prinzipalmarkt lauschen, nochmal dieselben Wege gehen und feststellen, dass die Universitätsbibliothek stark erweitert wurde. Das Wandbild in der Kneipe Frauenstr.24 suchen und feststellen, dass auch dort renoviert wurde und das Fresko der Hausbesetzer und Kneipenbesitzer abgemalt und eingeschrumpft an der gegenüberliegenden Wand hängt. Das Givenchy wieder finden, das Emile und Cordula Zaragossa gehört, die unser Hochzeitsessen ausgerichtet hatten. Sehnsucht nach einer kleinen, feinen Stadt haben und über die vielen Touristen noch genauso genervt sein, wie früher.
Der geliebte Optiker hat verkauft und seine Nachfolger bieten Jedermann-Brillen an. Cafe Schucan, wo es Kakao mit echer Milch gab, ist einer Parfümeriekette gewichen. Im Haus der Regensberg'schen Buchhandlung ist Hasardeur eingezogen: der Laden der früher preiswerte und trendige Mode verkaufte, die immer ein wenig nach Zigarettenqualm roch (wahrscheinlich haben die Angestellten heimlich im Lager geraucht) verkauft jetzt in schickem Ambiente Prada und Bottega Veneta. Cafe Grotemeyer baut um, verkauft aber zum Glück noch immer diese wunderbaren Marzipankunstwerke. Selbst im kleinen und feinen Laden Voila - la Droguerie hat sich was verändert: statt des unfreundlichen Besitzers und seiner Gattin, die immer Angst hatten, dass man etwas anfasst, bedienen nun zwei reizende Studenten die Kundschaft, die sich nur schwer entscheiden kann, welche Knöpfe, Perlen, Troddeln oder Bänder sie kaufen soll.

Auch wenn wir in all den Jahren regelmäßig in die westfälische Metropole gefahren sind, war es gestern eine Zeitreise. Neben westfälischen Bauern sitzend, die sich lautstark auf Platt unterhielten, feststellend, dass rheinische Bauern einen anderen Habitus pflegen und fühlend, dass wo wir auch wohnen, unsere Wurzeln weder aus Westfalen, noch aus dem Rheinland stammen: wir kommen aus dem Ruhrgebiet, dem Kohlenpott, Glück auf!

Donnerstag, 28. November 2013

Weihnachtsmärkte und Futterneid

Noch 27 Tage bis Weihnachten


Der 31. Post ist allen Weihnachtshasen und meiner Freundin Hermi gewidmet: den Weihnachtshasen, weil sie so fleißig dafür sorgen, dass wir ein schönes Fest haben werden und meistens völlig erschöpft unterm Weihnachtsbaum liegen und meiner Freundin Hermi, weil sie dieses wunderschöne Wort erfunden hat.





Mein Lieblingsbasar im November


Am vorletzen Samstag im November beginnt für mich die Vorweihnachtszeit mit den vielen kleinen Weihnachtsmärkten und Basaren. Um nicht übersättigt zu sein, wenn das Fest beginnt, beschränke ich mich auf zwei bis drei Märkte und jedes Jahr macht der Waldorfbasar den Anfang. 
Nach zwanzig Jahren Basarfreude habe ich sicherlich alles gekauft, was der Markt so hergibt: Pulswärmer aus Filz, Meditationskissen mit Dinkelfüllung, Notizbücher - hergestellt aus den Umschlägen von Kinderbüchern aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, je ein Knäuel handgefärbte Wolle mit einer Lauflänge von 300m, die gerade ausreicht, um Einzelteile zu stricken und in diesem Jahr zwei Birkenholzscheite, handgeglättet im Schnittbereich, die mir als Kerzenständer dienen werden. 
Ich bin noch auf der Suche nach einem Rentierfell zu Dekorationszwecken, kann mich aber nicht wirklich entscheiden, welche Qualität ich kaufen will: A) das Beste vom Besten - kuschelig, weich und teuer, B) mit Einschußlöchern und kahlen Stellen oder C) Einschußlöcher, kahle Stellen und Haarausfall, als Kaminvorleger geeignet. 


Nunu Kaller aus Wien hat ein Buch geschrieben, berichtet Spiegel Online am 28. 11. 13. Das Buch heißt: "Ich kauf nix - und wie ich durch meine Shopping Diät glücklich wurde". Im Artikel verrät sie, dass sie ein Projekt gestartet hatte: ein Jahr wollte sie keine Klamotten kaufen. Als Bloggerin berichtete sie über ihre Erfahrungen. 
Ich merke, dass ich abwehrend auf diese Nachricht reagiere, ich denke darüber nach, warum mich das so anficht und muss gestehen, dass es etwas mit Futterneid zu tun hat. Schließlich mache ich ein ähnliches Projekt, aber im Gegensatz zu Nunu, bin ich nicht ernsthaft auf die Idee gekommen, ein Buch darüber zu schreiben, bzw. habe mich nicht getraut das Projekt für relevant genug zu halten. Ich bin auch nicht besonders stolz auf meine selbstgestrickten Sachen (so wie Nunu), selbt wenn sie gelungen sind, sind sie einfach da. Ich bin auch nicht stolz auf meinen schönen, selbstgefertigten Schmuck - eher denke ich : prima, dass ich das kann. Auch von meinem Blog, den ich schon gern mag, erzähle ich erst jetzt rum, nachdem mir andere bestätigt haben, dass es Spaß macht, ihn zu lesen.
Ich stelle meine Talente nicht zur Schau und finde es merkwürdig, wenn sich andere Menschen  mit derselben Idee trauen es zu tun. Ist doch nicht der Rede wert, ist doch nichts besonderes, das kann doch jeder, ruft es in mir.
Ich habe es nicht geschafft, ein Jahr lang nicht zu shoppen, habe Rückfälle gehabt, die mir Spass und kein schlechtes Gewissen gemacht haben. Am Ende der Show werde ich das Geld für ein Chanel Jäckchen gespart haben - aber ich werde es nicht dafür ausgeben. Ich plane schon das nächste Projekt.

Sonntag, 3. November 2013

Fashion Hero


Noch 114 Tage bis zum Ende des Projektes.


Der 30. Post ist der Geschwindigkeit gewidmet, mit der sich die Trends verändern. Ich komme da nicht mehr mit und stehe so manches Mal fassungslos daneben.



Lieferwagen in Barcelona,  August 2013.







Wann fing das eigentlich an, dass sich  Mainstream und  Fernsehen für Mode interessierten? Dass man es wagen durfte zu bekennen, ein Modejunkie zu sein? Seit wann dreht die Welt sich schneller?

Ehrlich gesagt, ich bin außer Puste und fühle mich wie ein Marathonläufer bei Kilometer 33: mir geht die Luft aus, ich will nicht mehr mitmachen und frage mich: was soll das Ganze?

Mein No-Shopping-Projekt geht jetzt ins letzte Drittel. In den letzten Wochen habe ich geshoppt, was ich auch in diesem Blog freimütig gestanden habe. Der Sinn des Verzichtes war mir nicht mehr wichtig. Innerlich verabschiedete ich mich von dem Chanel-Jäckchen: es ist nicht meine Preisklasse, Mode ist keine Investition, dazu ist sie zu schnelllebig, Chanel bin nicht ich: ich bin weniger elegant, mehr lässig; weniger Upper-Class, mehr Prinzessin in Strickjacke - also eine ganz seltsame Mischung, die nur für mich funktioniert. Ich finde mich auch im Fernsehen, bei meiner geliebten Shopping-Queen, nicht wieder. Weder bin ich Reeperbahn-Rockabilly-Girl noch High-Heel-Orsay Braut, ich bin keine Fünfzigerin die Braxhosen trägt und auch keine verarmte Russin, die Pradaschuhe und Handtäschchen im Outlet kauft.
Kleidung ist mir sehr wichtig und je weiter das No-Shopping Projekt geht, desto bewusster wird es mir. Kleidung ist auch immer ein Stück Verkleidung für mich, das Erfinden neuer Kombinationsmöglichkeiten - manchmal geht es in die Hose, aber manchmal ist auch Gutes dabei. 

Fing dieses Modegetue mit dem Fernsehkanal ARTE an, der die Pariser Modewoche thematisierte und uns im September immer die Filme zu diesem Thema präsentiert? Fing es mit dem Mauerfall an und dem allmählichen Wiedererwachen Berlins zur Modemetropole? Hat das Internet Einfluss mit seinen globalisierten Shoppingmöglichkeiten? Seit wann gibt es die Gegenbewegung des Smart-Shoppens, die sich den Einflussmöglichkeiten des "immer-mehr" und "Qualitätsstandard- egal" entzieht? Seit wann ist der Luxus von früher erschwinglich geworden? Ich weiß es nicht, ich registriere nur und suche immer noch nach meinem persönlichen Weg.

Die neueste Show der Fernsehgeschichte heißt Fashion Hero. Es geht um einige tapfere Schneiderlein, die in dieser Show darum kämpfen eine Runde weiter zu kommen. Die Aufgabe ist für alle gleich: ein Kleidungsstück muß genäht werden, z.B. zu dem Thema "dress to impress". In einem bestimmten Zeitrahmen nähen die Schneiderlein im "fashion loft" ihre Kreation und werden dabei von drei Paten beraten. Claudia Schiffer ist die bekannteste, dazu noch ein unbekannter lustiger schwuler Mann und eine androgyne Frau, die  sich mit ihrer platinblonden Bobfrisur von der langhaarigen Claudia unterscheidet.
Mittwochs um 20:15 dürfen die Nachwuchskräfte bei VOX ihre Kreationen präsentieren und versuchen ihre Looks zu verkaufen. Als Einkäufer sitzen dort das Internetlabel Asos, Karstadt
und S.Oliver. Die Einkäufer machen den Schneidern entweder ein Angebot im 5 oder 6 stelligen Bereich, ihren Entwurf für ihr Modehaus zu kaufen oder sie geben kein Angebot ab. Bei einem Angebot ist der Schneider eine Runde weiter und darf im Loft weiter nähen, bekommt er kein Angebot hat er die Chance an einer Extrarunde teilzunehmen. Die Höhe des Angebotes der Modehäuser ist verantwortlich dafür, in welcher Menge die Klamotten für den Markt produziert werden und was der Schneider damit verdienen kann.
Die Extrarunde, ich glaube sie heißt "Recall", ist an eine Aufgabe gebunden. Innerhalb von 30 Minuten müssen Recall Finalisten z.B. aus einer Wolldecke ein neues Kleidungsstück nähen. Wer damit bei Claudia und Co. gut ankommt, darf im Fashion Loft bleiben und für die nächste Woche produzieren.
Gestern habe ich die Kreationen der Mittwochsshow im Schaufenster gesehen. Wir dürfen gespannt sein, was in den nächsten Wochen in die Läden kommt und nach Weihnachten reduziert und auf den Kleiderständern verramscht wird.

Mittwoch, 23. Oktober 2013

3,2,1 ... meins!

Noch 125 Tage bis zum Ende des Projektes


Der 28. Post ist dem süßen, kleinen Hamster in der zur Zeit laufenden Ebay- Kampagne gewidmet, dem ein Hund ein Riesenrad ersteigert, damit er nicht länger in seinem  Hamsterrad rumläuft, sondern auch mal die Welt aus einer anderen Perspektive sieht.


                    
Hamster in Spiellandschaft ohne Hamsterrad



Ich hatte den Ebay-Virus! Eine unglaublich lästige Krankheit, deren Nebenwirkung Scham- und Versagensgefühle sind.

Aber alles von Anfang an:

Die hochgeachtete Modejournalistin Rebecca Willis hatte einen wunderbaren Artikel zum Thema Kleider-Recycling geschrieben, der mir von meiner Freundin mit dem Kommentar zugeschickt wurde: vielleicht denke ich ja noch mal über 2nd-hand-Mode nach. Gemeinsam durchstreiften wir die Shops in meiner Stadt und waren uns einig, dass dieser typische Geruch von chemischer Reinigung unserer Lust etwas (für meine Freundin) zu kaufen, entgegen stand.
Nach dem Wochenende stöberte ich zielgerichtet bei Ebay nach Kleidungsstücken eines bestimmten Labels. Die Trefferquote war sensationell und wenn auch nicht alles meiner Kleidergröße entsprach, so konnte man doch eine Rubrik "suche ..." einrichten und interessante Objekte auf eine Beobachtungsliste setzen.

 In diesem Moment breitete sich der Virus aus. Das Smartphone machte permanent darauf aufmerksam, dass es wieder einige Dinge gibt, die zur Anfrage passend gefunden worden waren und nachdem man diese dann begutachtet und auf die Beobachtungsliste gesetzt hatte, fing der Wahnsinn damit an, dass man diese Liste immer wieder neu zusammenstellte. Waren schließlich 8 bis 10 Objekte auf der Liste, von denen man festgestellt hatte, dass sie  "neu mit Etikett"  oder "neuwertig, nur wenig getragen", dem entsprachen, was man brauchen könnte, aber bis dato noch nicht vermißt hatte und zudem auch noch preislich der absolute Hammer sein könnten (bei einen Startgebot von 1 €), dann bot man mit. 
Selbst der dümmste Hund weiß, dass man einen Labelrock vielleicht, mit Glück 70% unter dem Ladenpreis ersteigern kann, dass vielleicht aber auch nur 30% Rabatt möglich sind. Der dumme Hund weiß auch, dass in den letzten Minuten Angebote tierisch steigen, die vielleicht 10 Tage lang bei 3,65 € vor sich hin geschlummert haben. Die letzten Minuten sind ausschlaggebend und das macht das Spannende an dieser Aktion aus! Hier greift der Virus an. Ist man cool, dann geht man die letzte Viertelstunde nicht an den PC, vertraut auf sein Höchstgebot und hofft dass man das Objekt der Begierde zu einem ordentlichen Preis bekommt. Häufig wird man überboten, aber manchmal klappt es. Dann ist die Freude über das Schnäppchen und die Vorfreude auf das Paket groß.

Ist man aber überboten worden, geht das Spiel von vorne los: man sucht weiter nach einem adäquaten Objekt. Bis man es dann hat. Oder sich schämt, weil man doch Shopping-Diät macht und im Grunde ein armseliger Versager ist.
Nicht so heldenhaft wie Judith Levine in dem Buch "no shopping", das mich zu diesem Projekt inspiriert hat oder die amerikanische Familie, die ein Jahr lang nichts "made in China" kaufte. Amerikanische Helden, groß wie Superman und auch genauso langweilig! 

Denn nach langem Nachdenken über meine Fehlbarkeit komme ich zu dem Schluß, dass es doch fast unmöglich sein muß, von der heimlichen , selbsternannten Shopping-Queen zur geläuterten Weisen zu werden. Ich gebe mir die Absolution, nicht nur weil ich katholisch bin, sondern weil ich versucht habe mein Bestes zu geben und mache weiter Shopping-Diät. Vor allem freue ich mich über die neu erstandenen Ebay-Klamotten, die ich super cool finde und mit denen ich mich in diesem Herbst ein Stückchen neu erfinden kann.

Montag, 30. September 2013

Lieblingswolle

Noch 148 Tage bis zum Ende des Projektes.


Der 27. Post ist allen Schafen dieser Welt gewidmet, die uns mit ihrer Wolle mein Lieblingsbekleidungsmaterial schenken, ob gewebt, gefilzt oder gestrickt - ich liebe Wolle in fast jeder Verarbeitung.




Meine Lieblingswolle


Diese wunderbaren Herbsttage mit atlantischer Kühle in den Morgen- und Abendstunden und wärmenden Sonnenstrahlen um die Mittagszeit sind etwas ganz Besonderes. Man weiß eigentlich nie so recht, was man anziehen soll: Strickjacke und Leggins gehen in diesen Tagen eigentlich immer, sie wärmen am Morgen und werden mittags einfach ausgezogen, so dass man bei fast sommerlichen Temperaturen immer richtig gekleidet ist.
Aber was wäre der Herbst  ohne Wollsachen? Was wäre ich ohne ein Strickprojekt? Was würden meine unermüdlichen Finger tun, wenn ich keine Stricknadeln zur Hand hätte? Keine Ahnung wie viele Pullover, Schals, Handschuhe, Mützen und Tücher ich schon gestrickt habe. 

In den letzten Jahren bin ich ein großer Fan von NORO Wolle geworden und lande bei der Auswahl meines Herbst-Strickprojektes immer bei diesem besonderen Garn.
Norogarne sind mit nicht weniger als zehn verschiedenen Farbtönen im Knäuel gefärbt. Der Farbverlauf ist häufig kontrastreich, manchmal befindet sich sogar eine "störende" Farbe im Farbverlauf, und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass diese Farbe genau das ist, was den NORO Look ausmacht. 
Eines meiner ersten Projekte mit dieser Wolle war ein Strickmantel, für den ich gedeckte Braun- und Grautöne ausgesucht hatte. Von außen sahen die Wollknäule sehr harmonisch aus und auch das zwischendrin eingefügte Grasgrün gefiel mir sehr gut. Zu meiner Überraschung befand sich am Ende des 125 Meter langen Wollgarns und tief im Inneren des gewickelten Knäuels versteckt ein gelborangefarbener Abschnitt. Das war die störende Farbe! Beim ersten Knäuel schnitt ich sie raus und strickte ohne Orange weiter, merkte aber schon bald, das dies genau die Farbe war, die meinen Wollmantel aufwertete. 

Eisaku Noro ist von Haus aus Maler und wenn er die ungesponnene Wolle zusammenstellt, um einen neuen Farbverlauf zu kreieren, spürt man die Erfahrung des Künstlers.
Wer jetzt neugierig geworden ist, und mehr über NORO Wolle wissen will, dem lege ich die Internetseite meines Lieblingswollladens www.wolleunddesign.de ans Herz - dort kann man in Ruhe stöbern und vielleicht sogar Ideen für ein herbstliches Strickprojekt bekommen.

Sonntag, 22. September 2013

Serial Mum....

Noch 156 Tage bis zum Ende des Projektes.

Der 26. Post ist allen Müttern gewidmet, die sich fragen, wann sie die Herrschaft über ihr eigenes Leben zurück bekommen.





Eine neue Frauenzeitschrift für ein neues Frauenbild


Seit den Sommerferien möchte ich zu diesem Thema schreiben. Da lagen nämlich einige Exemplare dieses Magazins als Remittenden in unserem Foyer und warteten darauf mitgenommen zu werden. Inzwischen ist auch die Herbstausgabe dieser Zeitschrift erschienen.
MUM ist ein Hochglanzmagazin für eine konsumorientierte, einkommensstarke Bevölkerungsschicht ohne politisches Bewußtsein, aber mit viel Gefühl für gutes Styling.

Die Frauenzeitschrift MUM zeigt stylische Mütter, Väter und Kinder in einem sauberen Umfeld mit schönen Dingen. So unwirklich schön und sauber, dass man den Redakteurinnen dieses Magazins zurufen möchte: merkt ihr denn nicht, was ihr da macht? Dass die Gesellschaft Frauen benutzt, wie sie gerade gebraucht werden?

In den 1960er Jahren sollte die Familie mit Ehemann und Kind im Fokus des weiblichen Lebens stehen. Gute Hauswirtschaft mit sauberen Wohnungen und sauberer Kleidung und regelmäßigen, selbstgekochten Mahlzeiten, sparsamer Umgang mit Geld und die autoritäre Erziehung der Kinder waren das Erbe, welches die meist jungen Mütter von ihren Müttern übernommen hatten. Familienväter waren stolz darauf, wenn ihre Frauen nicht arbeiten mußten, sondern sich ganz und gar der Familie widmen konnten. Technische Hilfsmittel,  wie Staubsauger, Waschmaschine und Kühlschrank erleichterten die Hausarbeit. 

Zwanzig Jahre später waren die meisten Mütter  berufstätig. In der Regel sorgten sie mit einer Halbtagsstelle dafür, dass das Familieneinkommen aufgestockt wurde. Ein zweites Auto wurde nötig, weil man in die Vorstädte zog. Regelmäßige Urlaubsreisen erweiterten den Horizont. Der Anspruch an Mütter dieser Generation passte sich an das moderne Leben an. Zwar sollten sie noch immer perfekte Ehefrau und Gastgeberin sein, doch Convenience Food und Mikrowelle veränderten schon das Essverhalten innerhalb der Familie. Zeitmangel spielte eine immer größere Rolle und es wurde schwierig die Rolle der guten Mutter und Erzieherin der Kinder mit dem selben Enthusiasmus auszufüllen.

Im Zeitalter des Milleniums dann wurde die berufliche Karriere der Mütter gesellschaftlich erwartet. Auf Partys zugeben zu müssen, nicht berufstätig zu sein, beschämte manche Frauen, die sich daraufhin kurzerhand zur Managerin eines Familienunternehmens erklärten. Die Ansprüche an alle Frauen dieser Generation aber waren dieselben: Ehefrau, Geliebte, sylische Mum - aber nicht Mutter. Die Mutterrolle, die unweigerlich mit Kindererziehung, Selbstverleugnung und Zeitmangel verknüpft ist, sollte institutionell aufgefangen werden. Kindertagesstätten mit U3 Gruppen und offene Ganztagsschulen sollen den Spagat ermöglichen, der von berufstätigen Müttern bis heute erwartet wird.

Wer oder was bei diesem System auf der Strecke bleibt, ist von Familie zu Familie sicherlich unterschiedlich. Eines aber ist gewiss: die Gewinner sind nicht die Mütter, die laufen und rennen und doch niemals ankommen werden, denn das Ziel "so sein zu müssen, wie die Gesellschaft sie braucht", werden sie nie, nie, nie erreichen, wenn sie nicht selbst an diesen Zielen arbeiten und das ein oder andere nebensächliche einfach weg lassen.

Sonntag, 15. September 2013

O' zapft is ...

Noch 163 Tage bis zum Ende des Projektes

Der 25. Post ist einer Altbäuerin in Markschellenberg gewidmet, bei der wir einen Sommer zu Gast waren. Jeden Tag trug sie als Alltagskleid ein anderes Old-School-Dirndl, eines schöner als das andere.



Werbung auf einem Bus im Rheinland


In den siebziger Jahren  trug man in Paris schwarze schmale Hosen und enge Rollkragenpullis, in London hatte Mary Quant den Minirock erfunden und in San Francisco flochten sich Hippies Blumen ins Haar.

Im Ruhrgebiet saß ein Mädchen in einem Dirndlkleid auf einem Holzschemel und fühlte sich total unwohl. Das Kleid war marineblau, hatte sechs geschwärzte Goldknöpfe auf dem Brustteil und wurde mit einer rosaweiß karierten Bluse und einer passenden Schürze getragen. Die Schürze hatte blaue Maschinenstickerei als Verzierung und das zehnjährige Mädchen haßte diese oberflächliche Arbeit, die nichts von der Schönheit besaß, mit der ihre Großmutter Tischdecken bestickte.

Noch immer besitze ich ein sehr ambivalentes Verhältnis zu Dirndln und frage mich, wie man diese Kleider ungestraft außerhalb Bayerns tragen kann. Keine Frage, dass sie in diesem Landstrich zuhause sind - quasi dort erfunden wurden, als Kleidungsstücke welches die Idee vom ländlichen Leben nachahmten. Getragen zuerst von Bürgerinnen als Ausflugskleidung aufs Land, wozu vor über hundertfünfzig Jahren auch die Theresienwiese in München gehörte, auf der sich heuer das Oktoberfest abspielt. 
Als sogenanntes "sinkendes Kulturgut" kam das Dirndl nach einigen Generationen auch in der ländlichen Bevölkerung des Alpenlandes an und wurde dort zuerst als Festtagskleid, einige Zeit später auch als  traditionelle Alltagskleidung getragen. 
Keine Frage: seinen Ursprüngen nach, gehört dieses Kleid nach Bayern und es gibt nichts schöneres, als zur Oktoberfestsaison in München in den Auslagen der Schaufenster das schönste Dirndl auszusuchen. Dieses Kleid ist feminin, es macht einen schönen Busen, eine schmale Taille und gibt sich ganz und gar weiblich. 
Nördlich des Weißwurstäquators wird aus dem Kleidungsstück jedoch ein Verkleidungsstück.
(Ich bin sicher, die Reklamefritzen vom Karnevalshaus D. wissen das, wie kämen sie sonst auf den einfallsreichen Spruch: wir können mehr als Karneval?) In diesem Landstrich geht es nicht um teure Seidenstoffe aus Asien, aus denen Dirndl genäht werden, auch nicht um old fashioned Dirndl der vierziger bis achtziger Jahre, die handgenäht und dank ihrer hochwertigen Stoffe heute in Spezialgeschäften als Vintage-Dirndl verkauft werden, es geht nicht um hochwertige Kollektionen aus Leinen alteingesessener Trachtenfirmen, bei denen ein Dirndl mit Zubehör schon mal um die tausend Euro kostet. In diesem Landstrich - nördlich von Bayern geht es um billige Asienimporte, aus billigen Stoffen zu Billiglöhnen in China, Bangladesh und Vietnam angefertigt, schlecht sitzend, aber egal, denn diese Dirndl müssen ja nur eine Nacht im Festzelt überleben, wenn wir im Oktober am Südstation Party feiern.

Sonntag, 8. September 2013

September Issue

Noch 170 Tage bis zum Ende des Projektes

Der 24. Post ist dem Zufall gewidmet, der dafür sorgt, dass ich immer das bekomme, was ich gerade brauche: zum Beispiel ein passendes Thema.






alle Fotos: moderner Autobahnsouvenirshop


 





























Das Schönste an der Rückfahrt aus dem Urlaub am Ende des Sommers war immer der Einkauf von französischen Modezeitschriften auf Autobahnraststätten. Dick, schwer und bunt haben mir die Hefte zuverlässig die lange Heimfahrt verkürzt.
Quasi über Nacht sind aus französischen Autobahnraststätten, mit einem ehemals eindrucksvollen Sortiment an Modezeitschriften, kleine Shoppingcenter geworden. Den Kaffee gibt es nicht mehr aus Porzellantassen, sondern nur noch aus dem Automaten im Plastikbecher und Sandwiches kauft man nicht an einer Theke, sondern entnimmt sie folienverpackt der Kühltheke. Kinderbücher und Souvenirs haben das Zeitungssortiment verdrängt. Vielleicht hat sich die Shop-Mitarbeiterin ja für diese Veränderung geschämt, als sie mir hinterher lief um mir das Fotografieren in der Raststätte zu untersagen.

Für jeden Modejunkie ist die September Ausgabe der Magazine das wichtigste Hefte des Jahres. Was ein Jahr zuvor auf den Laufstegen der Fashion Week in Paris, Mailand oder New York zu sehen war, wurde fotografiert und von den Einkäufern der großen Geschäfte geordert, um zuverlässig Anfang September die Modegeschäfte zu füllen, damit wir shoppen können.
Wer den Film "The September Issue" aus dem Jahr 2007 gesehen hat (bei dem es um die Herstellung des Septemberheftes der amerikanischen Vogue geht), der weiß, wieviel Kreativität, aber auch Frust in so einem Heft steckt.
Die deutsche September Ausgabe der Vogue 2013 liegt nun vor mir: sie ist 927 Gramm schwer und zählt 360 Seiten, von denen 180 ganzseitige Anzeigen sind, nicht gezählt sind die viertelseitigen Anzeigenspalten und die Anzeigen in eigener Sache. Der Modeteil ist mit 45 Seiten vertreten, wenn ich richtig gezählt habe, denn manchmal weiß man nicht so genau, geht es um die Modestrecke oder den redaktionellen Teil?
Ich bin gnadenlos enttäuscht von diesem Heft. Die Selbstverliebtheit der Modefotografie führt zu einer ambitionierten, im Grunde aber schlechten Darstellung der Mode, so dass ich mir viel lieber die Werbeseiten der Anzeigen anschaue, weil hier viel klarer zum Ausdruck kommt, um welches modische Stück es sich handelt. Im nächsten Jahr werde ich die 6 Euro also nicht in die September Ausgabe der Vogue investieren, sondern mir den Frust ersparen und mir dafür einen Eisbecher gönnen, um mir die Shopping-Diät zu versüßen.


P.S. Das Shopping Queen Thema der letzten Woche, bei dem es um das Chanel Täschchen ging, war toller als erträumt. Tatsächlich war eine große Originaltasche Chanel 2.55 im Werte von 4000 Euro der Wanderpokal, mit der jede Kandidatin shoppen durfte und für die sie ein passendes Outfit erstellen sollte. Die Gewinnerin durfte tatsächlich die schöne, teure Chanel Tasche behalten!

Sonntag, 1. September 2013

Wieder daheim ... Kassensturz im August

Noch 177 Tage bis zum Ende des Projektes..



Der 23. Post ist meiner Freundin Antje gewidmet, die mich auch in Abwesenheit und Ferienzeit zuverlässig mit interessanten Zeitungsartikeln aus der Modewelt versorgt.



Urlaubssouvenirs für die ganze Familie


Diese wunderschönen Espadrilles stammen aus einer kleinen Stadt in Spanien, die wir jedes Mal besuchen, wenn wir in der Nähe sind. Der Weg dorthin ist ein wenig mühsam und beschwerlich, doch wir nehmen ihn gerne in Kauf, weil es dort so schön ist. Großartig ist es auch, wenn neben den üblichen Kleinigkeiten (Kaffee, Eis, eine Süddeutsche) noch das ein oder andere Souvenir als Erinnerung mitgenommen werden kann. In diesem Jahr hatte sich die vierköpfige Familie Espadrilles ausgesucht, diese handgenähten Stoffschuhe mit Hanfsohle, die völlig ruiniert sind, wenn man mit ihnen in den Regen kommt und außerdem noch diesen ganz speziellen Geruch entwickeln. Die Schuhgrößen hatte ich im Kopf, die Farben durfte ich aussuchen. Und was passiert , wenn man sich nicht zwischen bordeauxrot (sieht aus wie Doppelherz), lila (das ist Tante Trude), marineblau (zu langweilig) oder türkis (haben wir schon) entscheiden kann? Dann rutscht neben weiß, rot und mango auch ein hübsches kiwigrün in die Tasche wird bezahlt und eingepackt. Auf dem Rückweg, auf der Paßstraße, als kein Gedanke an Umkehr mehr möglich war, bemerkte ich, dass ich diese kiwigrünen Schuhe für mich gekauft hatte. Kein Gedanke an Shopping-Diät, einfach gekauft: vier Köpfe, vier Paar Espadrilles. Ich habe sie dann heimlich behalten, keiner hatte gemerkt, dass ich zugeschlagen habe.

In diesem Sinne ist meine Shopping-Diät in diesem Monat auf dem Level fünf zu verorten. Level eins wäre absolute Diät, Level sechs der bewußte Kauf(rausch). Ich habe zwar gekauft, aber ganz unbewußt, weil bei uns jeder was mitkriegt, wenn die Beute verteilt wird. Witzig ist, dass ich mit den Schuhen da saß und dachte: die sind schön, aber die brauche ich gar nicht. Nach vier Monaten Shopping-Diät ist das Nagetier "ich brauche etwas Neues" leise geworden und fordert nicht mehr so stark wie am Anfang. Der Kontostand ist erfreulich, es ist in diesem Monat etwas übrig geblieben und ich kann zufrieden sein.

Zuletzt noch ein TV- Tipp auf VOX  für Shopping-Queen-Fans oder solche, die neugierig sind. Meine Lieblings-Doku-Soap bringt diese Woche von Montag, 2. Sep. bis Freitag, 6. Sep. eine Spezialausgabe um 19 Uhr unter dem Motto: "Ein Taschentraum wird wahr. Kreiere dein perfektes Outfit zum Chanel-Klassiker". Ort des Geschehens ist Düsseldorf. Bin mal gespannt, was die so drauf haben. Es kann sich ja auch nur um ein Fake-Täschchen oder wie G.M. Kretschmer sagt: "Chanel für Anfänger" handeln, denn selbst im Edel- 2nd- Hand habe ich gestern eine Tasche gesehen, die zur Hälfte reduziert war und immer noch 1250 € kostete.

Sonntag, 4. August 2013

Who 's that Man?

Noch 204 Tage bis zum Ende des Projektes

Der 22. Post ist Meike Winnemuth gewidmet. Ihr Buch "Das große Los" ist ein hinreißendes Plädoyer für die Möglichkeit der Veränderung. Ich habe das Buch fast in einem Tag gelesen.


Das Projekt der letzten Woche: eine Unterwasserlandschaft













Eines unserer Lieblingsspiele geht so: Brad Pitt oder Johnny Depp (männliche Schauspieler Jahrgang ca.1960 und Frauentypen), Pierce Brosnan oder Sean Connery (James Bond Darsteller),
Claudia Cardinale oder Sophia Loren (Super Women Italiens)? Die Antwort muß spontan, intuitiv und ohne Begründung blitzschnell auf die Frage folgen. Man darf absolut nicht über die Antwort nachdenken, das ist der Sinn.
Während ich weiß, dass die Antworten auf diese Fragen Brad Pitt, Pierce Brosnan und Claudia Cardinale heißen, gibt es seit einigen Tagen eine echt schwierige Frage, über die es sich nachzudenken lohnt: Jeff Bridges oder Brad Pitt (männliche Schauspieler, die Werbung für ein Modelabel machen)? Natürlich war uns Brad Pitt in seinem Werbespot für Chanel Nr.5  sehr nah und die Methode einen Mann über seine Gefühle zu einen Frauenduft sinnieren zu lassen verstörend neu, aber irgendwie hat der Spot nicht funktioniert (Karl Lagerfeld gefiel er übrigens auch nicht, aber der ist ja auch für die Modelinie zuständig). Und jetzt kommt Jeff Bridges, der (fast) ultimativ coolste Schauspieler. Wer wäre nicht gerne an Stelle von Michelle Pfeiffer gewesen in "Fabulous Baker Boys"? Die Szene am Klavier, in der sie sich nach dem Konzert näher kommen gehört bestimmt zu den Top 5 der erotischen Begegnungen. Auch Fearless (Jenseits der Angst) oder Arlington Road sind Filme, in denen dieser Mann sehr sexy ist. The Big Lebowski oder True Grit und den Film, in dem er den alternden Country Sänger spielt, vergesse ich mal ganz flott, denn da verkörpert er Typen, nach denen sich keine Frau umschaut. Seit wenigen Tagen stellt er nun seine Fähigkeiten in die Dienste des Modelabels Marc O' Polo und erzählt in seinem Kurzvideo "Between the Shots" auf YouTube über den Spaß, in der Modebranche mitzuarbeiten und macht Musik für uns. Eigentlich gar nicht so schlecht: wenn er jetzt wieder seine Haare kürzen würde und seinen Bart abrasierte, wäre die Antwort einfach -  er wäre wieder der Gänsehauttyp aus Baker Boys.....
Aber der Mann macht sein eigenes Ding. Er sieht ein bißchen aus wie Mark Twain, trägt naturweiße gestrickte Zopfpullover, spielt mit großem Spaß Countrymusik auf der Gitarre und sieht aus, wie ein glücklicher Mensch, der es nicht mehr nötig hat, einem Ideal zu entsprechen und einfach nur gut drauf ist.

Okay, die Antwort ist einfach: Jeff Bridges, weil er genau das macht, was sich jede Frau ab einem gewissen Alter wünscht: nicht mehr dem Idealbild der anderen entsprechen zu müssen, machen können was man selber will und jede Menge Spaß dabei haben.







Montag, 29. Juli 2013

Born to shop - Kassensturz im Juli

Noch 210 Tage bis zum Ende des Projektes

Der 21. Post ist der erstaunlichen Tatsache gewidmet, dass sich mein Geld einfach nicht vermehrt. Wie kommt das?



Jonas Gerhards: Ohne Titel



Mein Kassensturz im Juli ist eine bittere Pille, die ich kaum schlucken mag. Gefühltermaßen habe ich nichts gekauft, nichts heißt in diesem Fall keine Kleidung. Dafür Kosmetik, Friseurbesuch, einen Badeanzug (musste sein!) und ein TK Maxx Schnäppchen: eine Handtasche, die um 70% reduziert war - wer kann dazu schon nein sagen? Auf der Skala von 1 bis 6 war ich also in diesem Monat mit 6 der absolute Loser und sollte mich über gar nichts wundern. Verdient habe ich auch nichts zusätzlich, so dass die Antwort auf die Frage: wie kommt das? sehr einfach ist: von nichts kommt nichts.

Im letzten Spätsommer veröffentlichte meine Lieblingsfrauenzeitschrift "Brigitte" eine Serie von Kleidungsstücken, die in Zusammenarbeit mit der Bekleidungsfirma Tom Tailor entworfen, produziert und in ausgewählten Shops und im Internet exklusiv verkauft wurden. Die Zeitschrift warb für dieses Projekt mit schön fotografierten Modestrecken in eigener Sache. Die Idee war ein Modebaukasten, in dem jedes Teil einer Linie fast mit jedem anderen Teil  kombiniert werden konnte. Der  Stil war urban, lässig und jung. Der Preis moderat und die Qualität, durch den Namen "Brigitte" und " Tom Tailor" veredelt versprach nicht gerade Billigscheiß. 
Ich liebe Baukästen jeder Art: sie sind durchdacht, gut strukturiert und vielseitig anwendbar. Die Elemente eines Baukastens sind nicht eigenwillig oder krumm, sie verändern weder ihre Textur, noch ihr Aussehen, noch ihre Haptik, sie werden auch nicht größer oder kleiner, wenn man sie benutzt. Die Elemente des Brigitte Baukasten-Bekleidungsystems jedoch veränderten schon nach kurzer Zeit ihre äußere Form. Der Pulli wurde immer breiter, Rock und Kleid bekamen diese fiesen kleinen Pilling-Kügelchen, die ein Kleidungsstück immer ungepflegt und billig aussehen lassen - und das schon nach der ersten Wäsche. Nach der Zweiten wurde es schlimmer, und danach habe ich nur noch das Kleid angezogen, aber bestimmt auch nicht öfter als ein Mal.
Um auf Rebecca Willis zurück zu kommen und ihr Manifest für gute Kleidung (Clothes: A Manifesto, in: Economist, March/April 2013): wir sind nicht born to shop, wie es auf einem T-Shirt steht. Shoppen ist eine Gewohnheit, keine Notwendigkeit. Eine ganze Generation ist zum Shoppen erzogen worden. Kam der Begriff in Deutschland nicht auch erst in meinen heißgeliebten, vom Hedonismus geprägten 1980-er Jahren auf? Seitdem leben wir in einer konsumorientierten, nach Neuheiten suchenden Kultur.
Die Dinge zu durchschauen und der Wunsch etwas zu verändern sind erste Ansätze eines neuen Bewußtseins. Wie schwierig die Veränderung ist, erlebe ich in meinem No-Shopping Projekt permanent. Ich bin gespannt, wie weit ich in 210 Tagen bin.

Mittwoch, 24. Juli 2013

F wie Fake

Noch 215 Tage bis zum Ende des Projektes


Der 20. Post ist Sascha gewidmet, der mich mit seiner Frage: was ist das Faszinierende an Königshäusern erst zum Quatschen und dann zum Nachdenken brachte.



Dies ist kein Original Basquiat.


Zum Glück bin ich im Fernsehen dann doch noch ganz gut rüber gekommen, was das Quatschen anging, Mein Aussehen hingegen glich wirklich einer Königinmutter - so schräg von unten, mit Doppelkinn, das ging  gar nicht, aber ich bin sicher, es hat auch keiner um Mitternacht das RTL- Nachtjournal gesehen.
An diesem wahnsinnig heißen Tag hatte ich beim Friseur gesessen, als die Geschäftsführerin ankündigte, dass sich ein Team von RTL angekündigt habe, um die Kundinnen über den Nachwuchs im englischen Königshaus zu interviewen. Da Flucht zwecklos war, ergaben sich alle Kundinnen in ihr Schicksal, willigten ein mitzumachen und hofften still, dass der Kelch an ihnen vorüber ging.
Die Interviewfrage, was heutzutage immer noch das Faszinierende an Königshäusern ist, hat was Philosophisch-Rätselhaftes. Man quatscht im Interview drauf los und fragt sich nachher: wer hat da gesprochen und was hat sie sagt?
Nichtsdestotrotz blieb die Frage hängen und in der stillen Minute des Haareauswaschens war endlich Zeit darüber nachzudenken: Ich glaube das Faszinierende ist das Einzigartige: dabei geht es nicht um Royality, sondern um etwas Nicht-Kopierbares. Das Original macht den Unterschied! Heutzutage hat ja jeder Promi einen Doppelgänger - sicher auch Kate und William oder die Queen. Wenn die Doppelgänger Eltern werden oder in Münster ein Fahrrad um fällt, so ist das völlig belanglos. Wenn aber die  englischen Thronfolger Nachwuchs bekommen, hat die Dynastie Zukunft. Das englische Königshaus rettet sich in die nächste Generation. Die Abstammunglinie der königlichen Familie ist nicht unterbrochen, das Original lebt weiter.

Eine ähnliche Frage beschäftigt mich seit Tagen: ist es in Ordnung, im Internet bei einem Versand, der mit Replika, also Fälschungen von Markenartikeln handelt, etwas zu kaufen?
Dass es illegal ist, steht außer Frage, aber soll man wirklich eine vierstellige Summe für ein Markenprodukt, z.B. eine Handtasche ausgeben, wenn man den "Nachbau"  für einen Bruchteil des Geldes haben kann? Die Gespräche mit Freunden waren eindeutig, wenn auch die Gründe unterschiedlich waren. Alle meinten, ein Original sei erstrebenswert, das Material , die Verarbeitung, das gewisse Etwas im Design, die Freude, es zu besitzen und zu benutzen - all das waren ausschlaggebende Gründe für Originalwaren; schließlich auch die Idee, dass es total peinlich sein muss, mit einer Fälschung entdeckt zu werden. Und mal ganz ehrlich: wer denkt nicht bei jeder Louis Vuitton Tasche, die er sieht daran, dass die Trägerin dieses Schnäppchen bestimmt auf einem türkischen oder spanischen Markt erstanden hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass jeder Louis Vuitton Store nur zwei Artikel pro Käufer veräußert, um Exklusivität zu garantieren und den Markt nicht mit Louis Vuitton Produkten zu überschwemmen - sehr zum Leidwesen der Japanerinnen, die bei europäischen Shoppingtrips gewzwungen sind in verschiedenen Städten einzukaufen, um ihren Bedarf zu decken.

Sonntag, 14. Juli 2013

Shopping Diät

Noch 226 Tage bis zum Ende des Projektes


Der neunzehnte Post ist Andrea gewidmet, die in 5 Monaten 25 Kilo abgenommen hat, ich habe sie nur an ihren Augen und ihrer Stimme erkannt. Sie sieht supergut aus. Nahrungsdiät versus Shopping Diät.




Dublin 2013


Die ersten hundert Tage meiner Shopping Diät sind um. An manchen Tagen merke ich gar nicht, dass ich Diät mache, dann ist alles einfach und ich denke nicht an Mode, andere Tage hingegen sind weitaus gefährlicher. Wenn z.B. die ersten Kataloge mit der Herbstmode ins Haus geflattert kommen, wenn sich - bei einer Außentemperatur von 26° Grad im Schatten - die Idee festsetzt, dass ein harmloses dunkelblaues Wollmützchen und ein dazu passender Schal genau das sind, was ich im Herbst brauche, um meinen Winterjacken den letzten Schliff zu geben! Im Grunde weiß ich doch ganz genau, dass sich weder ein blaues Wollmützchen lohnt, noch ein erneuter Rückfall in alte Shopping-Gewohnheiten. Das absolute Lieblingskleid, deswegen ich im Juni meine guten Vorsätze vergaß, ist zwar ein wunderschönes Kleid geblieben, das Versprechen, das es mir gab, nämlich mich auf immer und ewig zu verschönern hat es nicht wirklich eingelöst. 

Ein erneuter Rückfall lohnt sich definitiv nicht und würde vielleicht sogar das Projekt in Frage stellen. Dann würde aus No-Shopping ein Smart-Shopping-Projekt und das ist nicht das, was ich möchte. Ich bin also definitiv immer noch gefährdet.
Heute Morgen hörte ich im Radio von Harald Belzer und seinem Buch "Selber Denken". Was mir in Erinnerung blieb, ist die Tatsache, dass alle Deutschen 2013 doppelt so viele Klamotten im Kleiderschrank haben, wie 2003. Ist das wirklich erstaunlich, wenn man in den Billig-Textilketten T-Shirts schon ab 5 € kaufen kann?

In meinem Zimmer habe ich einen kleinen Buchschrein für das Buch: Little Black Jacket von Carine Roitfeld und Karl Lagerfeld aufgebaut. In diesem Buch sind 113 Personen im kleinen schwarzen Jäckchen ganzseitig fotografiert. Obwohl jeder das gleiche schwarze Jäckchen trägt, sind Frauen und Männer doch so unterschiedlich gestylt, dass jedes Foto eine Geschichte erzählt. Jeden Tag blättere ich eine Seite um und versuche mich mit dem Foto zu verbinden. Dieses Buch soll mich inspirieren, verschiedene Stylings um ein Kleidungsstück herum zu probieren, aber es hat auch ein Geheimnis: was macht guten Stil aus? Wieso kann ein Jäckchen so viele Geschichten erzählen und wer von denen bin ich?

Montag, 8. Juli 2013

Schwarze Serie


Noch 232 Tage bis zum Ende des Projektes


Der 18. Post ist meiner Freundin Barbara gewidmet. Seitdem mein No-Shopping-Projekt läuft, bemerkt sie,dass sie statt eines T-Shirts immer gleich mehrere kauft, weil sie sich nicht entscheiden kann.




Retrochic anno 2013



Ich habe eine schwarze Serie. Alles geht kaputt. Es fing damit an, dass unser schönes schwarzes Gazelle Hollandrad, Baujahr 1960 gestohlen wurde, dann ging dass Auto kaputt, Waschmaschine und Spülmaschine folgten in kurzem Abstand, der Duschkopf tröpfelt nur noch und läß sich zum Entkalken nicht abnehmen. Die Badezimmerlampe wurde vom Gatten aufgefangen, als sie von der Decke fiel, die kleine Lampe im Fernsehzimmer bleibt dunkel, obwohl eine neue Glühbirne drin ist und das Telefon klingelt lautlos, was niemandem etwas nützt.

Zum Geburtstag bekam ich von meiner Familie die heißersehnte Dockstation. Jetzt kann ich ohne Kopfhörer in zimmerlautstärke Musik vom Smartphone hören. Das Retro-Design hat mich jedoch ein wenig schockiert. Was will es mir sagen? Etwa: ich bin so stabil wie die Geräte von früher, ich gehe nicht kaputt, mit mir wirst du alt? 
Und wenn es so wäre - die Dockstation hat eine Eingangsbuchse für ein Smartphone der 4-er Serie, spätestens wenn ich das Nachfolgemodell haben werde, paßt der Stecker nicht mehr, weil der der 5-er Serie nur noch halb so groß ist. Nichts ist für die Ewigkeit!

Was bedeutet das in Bezug auf unsere Kleidung? Rebecca Willis beschäftigt sich in ihrem Artikel: Clothes: A Manifesto (erschienen im Economist, March/April 2013) damit. Sie schreibt, wir shoppen nicht aus Notwendigket, wir shoppen aus Gewohnheit. Eine ganze Generation ist zum Shoppen erzogen worden, weil sie in einer konsumorientierten, nach Neuheiten suchenden Kultur groß geworden ist; aber auch weil ihre Kleidung auseinander fällt. (Der Saum löst sich auf, weil zu sparsam mit dem Stoff gearbeitet wurde.) Was ist mit der Qualität von Kleidungsstücken passiert? Halten jene Kleidungsstücke länger als eine Saison, die in schönen Fabriken gut zugeschnitten und verarbeitet wurden und in tollen Geschäften ordentlich auf Kleiderbügeln hängen? Außer in kleinen, fast kunsthandwerklich arbeitenden Betrieben, ist das gute alte Handwerk der Schneiderkunst ausgestorben. Die Heinzelmännchen von Köln sind vertrieben worden und Kleidung oder Mode ist mehr eine konzeptionelle Idee, eine Vorstellung, die während des industriellen Herstellungsprozesses keinen Wert mehr an sich hat.
Der TV-affine Stardesigner Guido Maria Kretschmer würde in diesem Zusammenhang vielleicht bemerken, dass niemand mehr "textil denkt".

Es sollte doch so sein, dass die Qualität umso höher ist, je mehr man für das Kleidungsstück bezahlen muß. Dann würde vielleicht auch weniger gekauft. Der Wirklichkeit wird dieser Idee aber nicht gerecht: man kann durchaus signifikante Summen zahlen und vielleicht ist die Herstellung auch schöner, aber noch immer sitzen die Knöpfe locker und fallen ab oder die Nähte reißen, weil die Nahtzugabe zu kurz gefasst ist.
Wenn Rebecca Willis den ausgewählten Frauen die Frage stellt, ob Kleidungsstücke für immer halten sollen, antwortet nur eine mit "nein": Frauen wollen eine kleine Auswahl besser hergestellter Kleidung. (Fortsetzung folgt)



Sonntag, 30. Juni 2013

Wollen, brauchen, haben .... Kassensturz im Juni

Noch 240 Tage bis zum Ende des Projektes


Der siebzehnte Post ist der starken Farbe schwarz gewidmet, die sich in letzter Zeit zu meiner Lieblingsfarbe entwickelt: schwarz ist streng, schafft Distanz, macht den Träger unauffällig und rückt sich selbst in den Hintergrund.


Zeichnung: privat




Nachdem ich in der letzten Woche, in meinem 6er Projekt zwei weiße Blusen hatte, sehne ich mich regelrecht nach der Unsichtbarkeit. Weiß ist so dermaßen dominant, dass ich mich mit meinen Blusen absolut im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gefühlt habe (ich glaube, manchen Leuten ergeht es so mit der Farbe rot, die für mich emotional kein Eyecatcher ist).  Weiß ist feingemacht, weiße Kniestrümpfe und Sonntagskleider, weiß sollte man nicht beschmutzen, weiß ist rein, sauber, hell und frisch. Weiß ist definitiv nicht meine Farbe!
Mit meiner weißen Bluse, einem hellbraunen Strickmantel, beigen Caprihosen und Converse bin ich mir im Einkaufszentrum im Spiegel begegnet und hätte fast vor Entsetzen laut aufgeschrien! Gibt es in meinem Haushalt keinen vernünftigen Ganzkörperspiegel, in den ich am Morgen hätte reinschauen können, um den Anblick zu vermeiden? Es sah furchtbar aus, die Proportionen waren völlig unstimmig! Also schnell rein zu Tamaris und ein paar sehr schöne hellbraune Absatzsandaletten gekauft und gleich anbehalten. Das Selbstbewußtsein stieg von null auf hundert und ich hatte in diesem Monat einen ganz wahnsinnigen Rückfall.

Zu meinem Glück oder Unglück ist das Konto sauber im grünen Bereich und es ist diesen Monat auch noch etwas übrig geblieben. Moralisch habe ich mit und ohne Vorsatz kläglich versagt und schwöre mir, dass das nicht wieder vorkommt, denn das Glück der erworbenen Dinge hat auch nicht so mega lange angehalten. Der Gott der schönen Dinge ist mit mir und wird mir helfen den Versuchungen zu widerstehen.
In diesem Monat habe ich ein paar rustikale Schnürschuhe aus Lack für die kalte Jahreszeit nicht gekauft.
Auf einer Skala von 1-6 viel mir das Verzichten so schwer, dass ich mich bei 6 einordne: ich habe Sandalen und einige Kleidungsstücke der neuen Lieblingsmarke gekauft. 
Ich fühle mich zwar nicht als Versager dieses Projektes (weil es ja weiter geht), aber ich habe schon das Gefühl, dass dieser Monat nicht als Verzichtmonat zählt. Dafür wird der Kleiderschrank immer übersichtlicher: ich kann mich von vielen Sachen trennen und fühle mich dadurch erleichtert. Das 6er Projekt (6 Items or Less oder wie ich es nenne: 6 Items and One), in dem man eine Woche nur eine begrenzte Anzahl von Kleidungsstücken trägt, macht mir nach wie vor Spaß und läßt meinen Kleiderauswahl riesengroß erscheinen. Was in diesem Zusammenhang untragbar erscheint wandert in das Zwischenlager im Keller - so habe ich die Option, nocheinmal darauf zurückgreifen zu können, wenn ich etwas wirklich vermisse. Denn Sachen spontan und gnadenlos weg zu werfen ist in meiner Situation genauso kontraproduktiv, wie Spontankäufe. Ein neuer, persönlicher Stil muss sich langsam entwickeln.