Noch 232 Tage bis zum Ende des Projektes
Der 18. Post ist meiner Freundin Barbara gewidmet. Seitdem mein No-Shopping-Projekt läuft, bemerkt sie,dass sie statt eines T-Shirts immer gleich mehrere kauft, weil sie sich nicht entscheiden kann.
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| Retrochic anno 2013 |
Ich habe eine schwarze Serie. Alles geht kaputt. Es fing damit an, dass unser schönes schwarzes Gazelle Hollandrad, Baujahr 1960 gestohlen wurde, dann ging dass Auto kaputt, Waschmaschine und Spülmaschine folgten in kurzem Abstand, der Duschkopf tröpfelt nur noch und läß sich zum Entkalken nicht abnehmen. Die Badezimmerlampe wurde vom Gatten aufgefangen, als sie von der Decke fiel, die kleine Lampe im Fernsehzimmer bleibt dunkel, obwohl eine neue Glühbirne drin ist und das Telefon klingelt lautlos, was niemandem etwas nützt.
Zum Geburtstag bekam ich von meiner Familie die heißersehnte Dockstation. Jetzt kann ich ohne Kopfhörer in zimmerlautstärke Musik vom Smartphone hören. Das Retro-Design hat mich jedoch ein wenig schockiert. Was will es mir sagen? Etwa: ich bin so stabil wie die Geräte von früher, ich gehe nicht kaputt, mit mir wirst du alt?
Und wenn es so wäre - die Dockstation hat eine Eingangsbuchse für ein Smartphone der 4-er Serie, spätestens wenn ich das Nachfolgemodell haben werde, paßt der Stecker nicht mehr, weil der der 5-er Serie nur noch halb so groß ist. Nichts ist für die Ewigkeit!
Was bedeutet das in Bezug auf unsere Kleidung? Rebecca Willis beschäftigt sich in ihrem Artikel: Clothes: A Manifesto (erschienen im Economist, March/April 2013) damit. Sie schreibt, wir shoppen nicht aus Notwendigket, wir shoppen aus Gewohnheit. Eine ganze Generation ist zum Shoppen erzogen worden, weil sie in einer konsumorientierten, nach Neuheiten suchenden Kultur groß geworden ist; aber auch weil ihre Kleidung auseinander fällt. (Der Saum löst sich auf, weil zu sparsam mit dem Stoff gearbeitet wurde.) Was ist mit der Qualität von Kleidungsstücken passiert? Halten jene Kleidungsstücke länger als eine Saison, die in schönen Fabriken gut zugeschnitten und verarbeitet wurden und in tollen Geschäften ordentlich auf Kleiderbügeln hängen? Außer in kleinen, fast kunsthandwerklich arbeitenden Betrieben, ist das gute alte Handwerk der Schneiderkunst ausgestorben. Die Heinzelmännchen von Köln sind vertrieben worden und Kleidung oder Mode ist mehr eine konzeptionelle Idee, eine Vorstellung, die während des industriellen Herstellungsprozesses keinen Wert mehr an sich hat.
Der TV-affine Stardesigner Guido Maria Kretschmer würde in diesem Zusammenhang vielleicht bemerken, dass niemand mehr "textil denkt".
Es sollte doch so sein, dass die Qualität umso höher ist, je mehr man für das Kleidungsstück bezahlen muß. Dann würde vielleicht auch weniger gekauft. Der Wirklichkeit wird dieser Idee aber nicht gerecht: man kann durchaus signifikante Summen zahlen und vielleicht ist die Herstellung auch schöner, aber noch immer sitzen die Knöpfe locker und fallen ab oder die Nähte reißen, weil die Nahtzugabe zu kurz gefasst ist.
Wenn Rebecca Willis den ausgewählten Frauen die Frage stellt, ob Kleidungsstücke für immer halten sollen, antwortet nur eine mit "nein": Frauen wollen eine kleine Auswahl besser hergestellter Kleidung. (Fortsetzung folgt)

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