Sonntag, 22. September 2013

Serial Mum....

Noch 156 Tage bis zum Ende des Projektes.

Der 26. Post ist allen Müttern gewidmet, die sich fragen, wann sie die Herrschaft über ihr eigenes Leben zurück bekommen.





Eine neue Frauenzeitschrift für ein neues Frauenbild


Seit den Sommerferien möchte ich zu diesem Thema schreiben. Da lagen nämlich einige Exemplare dieses Magazins als Remittenden in unserem Foyer und warteten darauf mitgenommen zu werden. Inzwischen ist auch die Herbstausgabe dieser Zeitschrift erschienen.
MUM ist ein Hochglanzmagazin für eine konsumorientierte, einkommensstarke Bevölkerungsschicht ohne politisches Bewußtsein, aber mit viel Gefühl für gutes Styling.

Die Frauenzeitschrift MUM zeigt stylische Mütter, Väter und Kinder in einem sauberen Umfeld mit schönen Dingen. So unwirklich schön und sauber, dass man den Redakteurinnen dieses Magazins zurufen möchte: merkt ihr denn nicht, was ihr da macht? Dass die Gesellschaft Frauen benutzt, wie sie gerade gebraucht werden?

In den 1960er Jahren sollte die Familie mit Ehemann und Kind im Fokus des weiblichen Lebens stehen. Gute Hauswirtschaft mit sauberen Wohnungen und sauberer Kleidung und regelmäßigen, selbstgekochten Mahlzeiten, sparsamer Umgang mit Geld und die autoritäre Erziehung der Kinder waren das Erbe, welches die meist jungen Mütter von ihren Müttern übernommen hatten. Familienväter waren stolz darauf, wenn ihre Frauen nicht arbeiten mußten, sondern sich ganz und gar der Familie widmen konnten. Technische Hilfsmittel,  wie Staubsauger, Waschmaschine und Kühlschrank erleichterten die Hausarbeit. 

Zwanzig Jahre später waren die meisten Mütter  berufstätig. In der Regel sorgten sie mit einer Halbtagsstelle dafür, dass das Familieneinkommen aufgestockt wurde. Ein zweites Auto wurde nötig, weil man in die Vorstädte zog. Regelmäßige Urlaubsreisen erweiterten den Horizont. Der Anspruch an Mütter dieser Generation passte sich an das moderne Leben an. Zwar sollten sie noch immer perfekte Ehefrau und Gastgeberin sein, doch Convenience Food und Mikrowelle veränderten schon das Essverhalten innerhalb der Familie. Zeitmangel spielte eine immer größere Rolle und es wurde schwierig die Rolle der guten Mutter und Erzieherin der Kinder mit dem selben Enthusiasmus auszufüllen.

Im Zeitalter des Milleniums dann wurde die berufliche Karriere der Mütter gesellschaftlich erwartet. Auf Partys zugeben zu müssen, nicht berufstätig zu sein, beschämte manche Frauen, die sich daraufhin kurzerhand zur Managerin eines Familienunternehmens erklärten. Die Ansprüche an alle Frauen dieser Generation aber waren dieselben: Ehefrau, Geliebte, sylische Mum - aber nicht Mutter. Die Mutterrolle, die unweigerlich mit Kindererziehung, Selbstverleugnung und Zeitmangel verknüpft ist, sollte institutionell aufgefangen werden. Kindertagesstätten mit U3 Gruppen und offene Ganztagsschulen sollen den Spagat ermöglichen, der von berufstätigen Müttern bis heute erwartet wird.

Wer oder was bei diesem System auf der Strecke bleibt, ist von Familie zu Familie sicherlich unterschiedlich. Eines aber ist gewiss: die Gewinner sind nicht die Mütter, die laufen und rennen und doch niemals ankommen werden, denn das Ziel "so sein zu müssen, wie die Gesellschaft sie braucht", werden sie nie, nie, nie erreichen, wenn sie nicht selbst an diesen Zielen arbeiten und das ein oder andere nebensächliche einfach weg lassen.

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