Sonntag, 16. Juni 2013

Was Frauen wollen

Noch 256 Tage bis zum Ende des Projektes



Der 15. Post ist meiner Freundin Antje gewidmet, mit der ich - solange ich denken kann - schon immer gern über Mode geredet habe und die mir den Artikel überreichte, um den es heute geht Clothes: A Manifesto by Rebecca Willis, erschienen im Economist, March/April 2013.



Freitag habe ich Julius kennengelernt. Er ist supersüß, zwei Jahre alt und zum Abschied haben wir einander zugewunken. Da ist das passiert, was ich eigentlich nie für möglich gehalten habe: ich habe meine Bingo-Wings entdeckt! Ich wußte nicht , dass ich sie habe, aber aus meiner ärmellosen Bluse wackelte der Trizeps meines rechten Oberarmes munter hin und her. Den ganzen Winter und all die schönen Jahre davor, blieb dieser blöde Muskel unbemerkt und jetzt wagt er sich an die Öffentlichkeit. Erfahrene Coaches raten bei diesem Problem dazu, zwei Ein-Kilo-Hanteln neben den Fernseher zu legen und in jeder Werbepause Trizeps-Übungen mit abgespreiztem kleinen Finger zu machen.Muskeln lassen sich durch diese Übungen leicht aufbauen (verschwinden aber auch genauso leicht wieder, wenn man das Training nicht regelmäßig durchführt).




Aquarell: privat




 Rebecca Willis stellt fest, dass im frühen 21. Jahrhundert die Ärmel von den Kleidungsstücken abgetrennt wurden. Shiftkleider, gebräunte Körper, der Trend zur Jugendlichkeit im Allgemeinen führte zu dieser modischen Veränderung. Die Kölner Modedesignerin Marion Muck präsentiert ihre Shopkollektionen grundsätzlich ärmellos. Auf die Frage meiner Freundin, ob denn alle Kundinnen makellose Oberarme hätten, antwortete die Verkäuferin, es sei üblich, auf Wunsch und gegen Aufpreis Ärmel an die Kleidungsstücke zu nähen. Wieviel Zeit seines Lebens soll man als Kundin zwischen 20 und 70 Jahren damit verschwenden, Oberteile mit Ärmeln zu suchen, wenn die meisten Frauen in dieser Altersgruppe Probleme mit Bingo-Wings haben? Oder sollen wir uns schuldig fühlen, weil wir kostbare Zeit nicht mit Fitnesstraining, sondern anderen wichtigen Sachen verschwenden? Also Designer: schultert das Problem und näht die Ärmel wieder an!

Vierzig Frauen zwischen 18 und 84 Jahren, die nicht beruflich mit der Modebranche zu tun haben, wurden gefragt, ob die Modeindustrie wirklich die Mode produziert, die Frauen wollen; bekommen sie die Mode, wenn sie sie brauchen und macht Mode Frauen glücklich

Alle befragten Frauen leben in der westlichen Welt, haben unterschiedliche Nationalitäten, Körpergrößen und -formen. Sie präsentieren die Meinung außerhalb der geschlossenen Fashion-Welt. Die Antworten zeigen, dass Frauen Kleidung lieben und sich sehr darüber ärgern, wenn nicht das erhältlich ist, was sie wollen.
Frauen ärgern sich über schlechte Qualität, überzogene Preise, mangelhafte Herstellung, schlecht geschnittene Kleidung, die nicht langlebig ist. Sie ärgern sich über eine zu große Auswahl, aber auch über das Gegenteil: zu wenig von dem, was sie wollen.
Frauen lieben den Eskapismus der Couture Mode, aber wenn es ums Kaufen geht, zählen Qualität und Schnitt mehr als alles andere. Alle Frauen wünschen sich gut gemachte Kleidung, die nicht auseinanderfällt, sie wollen nicht den letzten Schrei, denn sie wissen, dass dieser sie nur zum Konsumieren auffordern soll.
Frauenkörper ändernsich ein wenig, aber nicht allzuviel und auch nicht in jeder Saison. Doch eine immerwährende Veränderung ist, dass Frauen nicht einem Designer oder einem Geschäft treu bleiben können. Eigentlich lieben sie Beständigkeit: ihre Läden und ihre Designer, sie würden gerne einer Marke treu sein, wenn sie nur könnten!

An einem bestimmten Punkt ihres Lebens, wissen Frauen, was ihnen paßt und was ihnen steht. Dann wollen sie ihre Lieblingsstücke in verschiedenen Variationen. Sie wollen Liebesaffären mit ihren Kleidungsstücken, keine Eintagsfliegen.
In einer Industrie, die vom Wandel lebt, gibt es trotzdem einen Markt für Designer, die Frauen mit Respekt behandeln. Natürlich handelt sich dabei dann um ein anderes ökonomisches Modell, als das Bestehende. Aber diese Verantwortung könnte sich wandeln von Quantität zu Qualität - von kurzlebigen Trends zu moderner Klassik. Es könnte ein erfolgreiches Modell werden, mehr als das: damit könnten die Herzen und Köpfe echter Frauen erobert werden. Noch ist es jedoch ein Kampf von David gegen Goliath. (Fortsetzung folgt)

Sonntag, 9. Juni 2013

Rückfall

Noch 263 Tage bis zum Ende des Projektes


Der 14. Post ist demjenigen gewidmet, der mir erklären kann, warum das veröffentlichte Layout vom erstellten Layout abweicht und zwar in recht unschöner Form !!!! Ich will das so nicht !


Aquarell: privat

Ich muß jetzt mal gestehen, dass ich "Shopping-Queen"-Fan bin. In diesem Fernsehformat mit "Stardesigner Guido Maria Kretschmer" (O-Ton) bekommen fünf ausgewählte Kandidatinnen aus einer Stadt je 500 Euro und müssen in vier Stunden ein Outfit unter einem bestimmten Motto zusammenstellen: z.B. "Hochzeit der schwedischen Prinzessin Madeleine - zeige Stilgefühl mit Hut" oder "Sei eine gefährliche Erscheinung im angesagtesten Club deiner Stadt" oder so ähnlich. 
Erwartet wird von den Kandidatinnen, dass sie sich auf das Motto einlassen und ungeachtet ihres persönlichen Stils den besten Look kaufen, den sie in vier Stunden erstehen können, inklusive Schuhe, Accessoires und Make-up. An jedem Tag der Woche kleidet sich eine Kandidatin mit Hilfe ihrer Shopping Partnerin ein und erhält Bewertungspunkte für ihr Outfit von den Anderen. Am Ende der Woche kommt Stardesigner Guido Maria Kretschmer dazu und verteilt Designer Punkte. Die Kandidatin mit den meisten Punkten wird Shopping Queen.
Was mir an dieser Sendung am besten gefällt sind natürlich Kretschmers humorvolle Kommentare, in denen er kein Blatt vor den Mund nimmt, aber auch die Shopping-Prinzessinen, die sich allesamt für Queens halten und sehr, sehr selten mit gutem Geschmack überraschen.

Anfangs habe ich diese Sendung geschaut, weil Kandidaten aus Köln dabei waren, dann bin ich hängen geblieben und habe es täglich aufgezeichnet. Ich hatte mir eingebildet, dass ich andere Menschen für mich shoppen gehen lasse, aber jetzt bin ich rückfällig geworden!
Nicht etwa, weil die Mitspieler so mega gut gestylt sind, sondern wahrscheinlich eher aus dem gegenteiligen Grund: weil ich mich frage, welches Kleidungsstück für lange Zeit mein Lieblingskleidungsstück werden könnte.

Über einen Zeitungsartikel bin ich auf ein Modelabel aufmerksam geworden, dass es mir voll und ganz angetan hat: schlicht, edel, aufsehenerregend, schwarz, weiß, grau, alterslos. Es macht eine bella figura - eine tolle Erscheinung. Seit Tagen denke ich über ein Kleidungsstück dieses Labels nach und die nette Verkäuferin in dem Geschäft kennt mich bereits: ja! Ich werde mit gutem Gewissen rückfällig und etwas kaufen, was ein echtes Lieblingsstück sein wird - ich muß mich nur noch entscheiden.
Das Projekt selber werde ich durch diesen Rückfall nicht in Zweifel ziehen, vielleicht hilft es mir ja auch einen tollen, sehr persönlichen Kleidungsstil für mich zu entwickeln.
Die vergangene 6er Woche mit den dunklen Kleidungsstücken war jedenfalls nicht besonders erfreulich. Die Woche war schnell um, aber nach sechs Tagen kam es zu einem Temperaturanstieg von fast 10° Grad gegenüber den vorherigen Tagen, so dass die vergangene 6er Woche nur von Samstag bis Donnerstag ging. Den Freitag bei 23° in einer grauen Skinny Jeans zu verbringen oder ein doppellagiges Trägerkleid anzuhaben war einfach undenkbar.
Für die kommende Woche setze ich auf Naturtöne in Kleid, Rock und Hose und freute mich auf korallenrot und braun als farbige Akzente. Heute Morgen fand ich diese Zusammenstellung sterbenslangweilig und habe mir wenigsten die Nägel farbig lackiert. Schließlich sind bunte Fingernägel eine "message", wie der Stardesigner sagt und im Grunde meines Herzens liebe ich Farbe. 
Können dann überhaupt graue, weiße und schwarze Kleider zu Lieblingskleidern werden?

Sonntag, 2. Juni 2013

Eine Woche 6er ...


Noch 270 Tage bis zum Ende des Projektes




Der dreizehnte Post ist Nina gewidmet, die nach sieben Tagen 6ern nicht bemerkt hatte, dass ich immer dieselben Kleidungsstücke getragen habe.











Eine Woche mit nur sieben ausgewählten Kleidungsstücken ist schnell vorüber gegangen.

Ich hatte mir sieben Lieblingskleidungsstücke: einen Rock, ein Kleid, eine Jeans, zwei Shirts, einen Pulli und einen Jerseyblazer ausgewählt, um von Samstag bis Samstag – eine Woche lang – meine Garderobe vielseitig zu nutzen. Erlaubt waren Accessoires aller Art, Unterwäsche und Strümpfe in beliebiger Menge, aber sonst bitte nur diese ausgewählten Kleidungsstücke.



Das schwarze Shirt stellte sich schnell als Lieblingskleidungsstück heraus und musste häufig abends gewaschen werden, damit es am übernächsten Tag wieder zu Verfügung stand – dass ich saubere Kleidung liebe, war mir schon bewusst, aber wie wichtig ein frisch gewaschenes Kleidungsstück ist, das nicht nach Essenkochen riecht, wurde mir extrem bewusst, weil ich nur zwei Shirts zu Verfügung hatte. Das auffälligere gestreifte passte oft nicht mit den Proportionen der anderen Kleidungsstücke zusammen, so dass es nicht immer eine echte Alternative war.



Der Jerseyblazer entpuppte sich als Zauberjacke, die im Nu aus schwarzem T-Shirt und Jeans ein Ausgehoutfit zaubert, und in Kombination mit dem Kleid toll wirkte, aber ansonsten zu nicht viel taugt: zum Frühstück übergeworfen, um gegen die morgendliche Kühle zu schützen wirkt sie doch recht deplaziert und mittags zum Marmeladekochen ist sie auch nicht richtig.



Einzig der Pullover entpuppte sich als unentbehrliches Kleidungsstück: immer da, immer warm, immer passend – zum Glück hatte ich ihn als siebtes Kleidungsstück zu den 6ern dazugenommen. Ohne ihn wäre ich in diesen kalten Maitagen erfroren.


Kleidungsstücke, die für eine Woche herausgesucht werden, sind also nicht immer optimal den Witterungsverhältnissen angepasst, auch kann man mit dieser Vorausplanung nicht immer die persönliche Stimmung oder das Wetter wieder spiegeln. Für die kommende Woche habe ich wieder gedeckte Kleidung ausgewählt und frage mich heute, an diesem sonnigen Sonntag, ob ich die rechte Wahl getroffen habe. Aber das macht das Ganze auch spannend und führt zu Improvisationen, wie man sie sonst nur aus dem Urlaub kennt. Hier aber gibt es einen entscheidenden Vorteil: es ist ein Heimspiel und somit sind Schuhe, Strümpfe, Tücher und Gürtel reichlich vorhanden, um die Garderobe zu verändern.



                    Das sind die 6 plus 1 Kandidaten der zweiten Projektwoche  "6 Dinge oder weniger"

Donnerstag, 30. Mai 2013

Kassensturz im Mai: Milchmädchenrechnung




Noch 273 Tage bis zum Ende des Projektes





Der zwölfte Post ist einer Bekannten meiner Tochter gewidmet, welche die These vertritt, dass, wenn man intensiv an einer Sache arbeitet immer die beiden Fragen maßgeblich sind: wo will ich hin? Von wo will ich weg?



Foto: Laura Moellers



Am Ende des zweiten, shopping-freien Monats stelle ich mir wieder die Frage: wie viel Geld habe ich in diesem Monat gespart? Theoretisch müsste sich wieder ein hübsches  Sümmchen auf meinem Konto versammelt haben.

Dem ist nicht so!

Wieso?



Weil ich eine Meisterin der Milchmädchenrechnung bin.

Wie die bundesrepublikanischen Wirtschaftsweisen, die den jährlichen Zuwachs des Bruttosozialproduktes und der steigenden Wirtschaftskraft ausrechnen und ein stetiges Wachstum von einigen Prozent vorhersagen, da sie nicht bereit sind an das Ende der Wachstumsmärkte zu glauben, so fließt auch in meine Rechnung nicht ein, dass die Einnahmen zurückgehen, die Ausgaben aber weiterhin fließen und ich niemals soviel Geld zurücklegen kann, wie ich es theoretisch geplant hatte.

Die Sparmaßnahme des Nicht-Shoppens kommt also genau zum rechten Zeitpunkt.



In diesem Monat hätte ich sehr gerne eine afrikanische Kette und ein Paar bunte Sneakers gekauft. Auf einer Skala zwischen 1 und 6 liegt der Verzicht auf die Sneakers bei etwa 2-3; der Verzicht auf die Kette hat mich schon einige Tage beschäftigt und liegt demnach bei 4, er ist mir nicht ganz so leicht gefallen.

Dadurch habe ich in diesem Monat ca. 150 Euro virtuelles Geld gespart. Ich fühle mich durch den Verzicht überlegen und habe nicht wirklich das Gefühl, diese Sneakers oder diese Kette zu brauchen. Ich weiß, dass ich sie durch andere Dinge, die ich bereits besitze, ersetzen kann. Dabei hilft mir sicherlich auch das Projekt „6 Dinge oder weniger“, mit dem ich mich seit kurzem beschäftige und das mir zeigt, wie viel ich in Wirklichkeit besitze.



Mit der Frage „wo will ich hin“ stelle ich seit kurzem auch den Wunsch nach dem Chanel-Jäckchen in Frage, ich weiß nicht mehr, ob ich es wirklich will; aber ich weiß, von wo ich weg will: ich will weg vom Spaß-Konsum des Kaufens. 


Samstag, 25. Mai 2013

Sechs Dinge oder weniger ...

Noch 278 Tage bis zum Ende des Projektes


Der elfte Post ist Ingeborg gewidmet, die mir in einem Telefonat von einen Zeitschriftenartikel erzählte und mir damit wieder neuen Schwung gab.


Meike Winnemuth ist Journalistin. Ich las vor zwei Jahren zum ersten Mal ganz bewußt ihre Berichte, in denen sie im Magazin der Süddeutschen Zeitung monatlich von unterschiedlichen Orten der Welt schrieb, an dem sie sich gerade aufhielt. Meike Winnemuth machte eine Weltreise und ermunterte ihre Leser, ihr für den nächsten Aufenthaltsort eine neue Aufgabe zu stellen. So mußte sie in Buenos Aires Tango tanzen lernen und in Sidney die beste Cocktailbar finden oder so ähnlich. Das war eine tolle Reihe von Reiseberichten, die ich ein ganzes Jahr mit großer Begeisterung verfolgte. Das Geld für diese Reise hatte sie bei "Wer wird Millionär" gewonnen und sie war im Fernsehen in einem Kleid aufgetreten, das sie ein ganzes Jahr lang getragen hatte.
Dies ist der Teil der Geschichte, der mich nach dem Telefonat mit Ingeborg am meisten interessierte: eine Frau -  ein Kleid - ein Jahr !

Der Gedanke, dass man seine persönliche Garderobe, von der man annimmt, dass sie nicht nur Schutz und Schmuck ist, sondern auch ein wesentlicher Teil des persönlichen Ausdrucks, sozusagen die soziale Identität des Trägers widerspiegelt, dass man diesen Teil seiner Persönlichkeit auf ein Minimunm reduziert und beobachtet, was in diesem Prozess passiert: was brauche ich und auf was kann ich verzichten? Was nehmen die anderen wahr und wie nehme ich mich selbst in der Reduzierung wahr? Wieviel Kleidung, wieviel Abwechslung, wieviel Konsum brauche ich, um mich wohl zu fühlen? Welche neuen Werte entstehen durch den Verzicht? (meine Lieblingsfrage)

Meike Winnemuth hat drei identische Kleider anfertigen lassen, die sie im Wechsel mit vielen unterschiedlichen Accessoires ein Jahr lang getragen hat. Täglich hat sie ein Foto in ihrem Outfit geschossen und es in ihrem Blog veröffentlicht. 


Über diesen Blog bin ich zu den "sixern" geführt worden. Das Projekt heißt: "6 Items or less". Die Teilnehmer versuchen einen Monat mit sechs Kleidungsstücken oder weniger auszukommen. Unterwäsche, Schuhe, Sportgarderobe, Überkleidung und Accessoires zählen nicht. Die Fragen dieses Projektes sind dieselben wie oben: wieviel Klamotten braucht der Mensch?





Für eine Woche habe ich mich enthusiastisch dieser Idee angeschlossen. Doch bei mir ist die Motivation eine andere, es ist quasi die Ausgangssituation für diesen Blog: mein Kleiderschrank ist klein, ich will keinen anderen, deshalb kann ich nur mit dem glücklich sein, was in diesen Schrank passt. 
Ich will all meine Sachen der Reihe nach tragen und zum Schluß entscheiden, auf was ich verzichten kann oder will. Ich will neue Kombinationen entdecken und das Gefühl der Fülle erleben. Ich will in dem Gefühl schwelgen, dass ich nichts Neues brauche und locker ein
Jahr ohne Shopping auskomme, trotzdem aber nicht immer das selbe anziehe.

Was ich mir für diese Woche ausgesucht habe, habe ich fotografiert. Ausnahmsweise sind es in dieser Woche sieben Teile (da fängt die Qual der Wahl schon an ...), da es im Mai noch so kalt ist, dass ich einen Wollpullover dazunehmen mußte. So ein Pullover ist für mich wichtig - heute morgen hätte es sich total komisch angefühlt, wenn ich im Blazer gefrühstückt oder Marmelade gekocht hätte.

Montag, 20. Mai 2013

Keine Zeit, keine Zeit ....

Noch 283 Tage bis zum Ende des Projektes




Der zehnte Post ist Kate gewidmet, die mit ihrer Frage "warum bist du so still?" genau ins Schwarze getroffen hat. "Ich muß so vieles denken ...."






Vor einigen Tagen war ich für kurze Zeit in Dublin. Wie es das Klischee will, war es kalt und hat meistens geregnet. Während eines Regenschauers, und weil ich auch ein wenig Heimweh hatte, bin ich in ein "Starbuck's Cafe"gegangen. Das mache ich häufig an fremden Orten. Starbuck's ist überall auf der Welt gleich, der Kaffee schmeckt immer gleich und das Publikum ist in etwa auch immer das Gleiche. Das hat etwas heimatliches - egal ob in Barcelona, Köln oder Rom. Besonders gefallen mir die Panoramafenster, die auch fast immer gleich sind und einen ungehinderten Blick auf die Straße bieten.
Dubliner Frauen sind in der Regel schwarz gekleidet. Obligatorisch sind schwarze Leggins oder Strumpfhosen zu Ballerinas, die bei irischem Regenwetter in Null komma nichts durchweicht sein müssen - wie machen die das? Oder haben die immer nasse Füße?
Nach meiner Regenpause war ich noch kurz in einem Edelkaufhaus, um dem kleinen schwarzen Chanel-Jäckchen guten Tag zu sagen. Leider war es nicht anwesend und ich durfte auch kein Foto von einem schwarzen Chanel-Kleid mit grünem Handtäschchen machen. Zu blöd - wo ich doch schon fast zur Chanel-Familie gehöre!


Was ich in diesen Tagen, in denen ich nichts geschrieben habe, am meisten vermisse ist Zeit. Ich hetze durch die Woche, versuche jeden Tag all die Dinge zu tun, die getan werden müssen und gerate unter Druck, weil ich Vorbereitungen treffe für das nächste Projekt, den nächsten Tag, den nächsten Anlass: keine Zeit, um über das Vergangene nachzudenken, keine Energie, den nächsten Termin wahrzunehmen oder zu planen. Eine Reise, ein Theaterstück, das Treffen mit der Freundin - alles wird austauschbar und verschwimmt im Rückblick. Und immer diese Panik, etwas Wesentliches vergessen zu haben. Kurz vor Ostern beginnt jährlich die Terminplanung: an welchem Wochenende kann man mit wem etwas unternehmen? Bis kurz vor Weihnachten werden Termine gemacht, der Höhepunkt ist zwischen Weihnachten und Silvester - danach wird bis zur Fastenzeit eine obligatorische Ruhepause eingelegt.
Ich hatte mir eingebildet, mit der Shopping-Pause Zeit zu gewinnen. Wahrscheinlich muß ich jetzt versuchen, Terminpausen einzulegen oder Termine abzusagen oder Gremienarbeit zu stornieren oder nie wieder ins Kino gehen oder aufhören zu atmen ...

Sonntag, 5. Mai 2013

Der Mai ist gekommen ...

Noch 298 Tage bis zum Ende des Projektes

Der neunte Post ist Jonas gewidmet, der immer eine Lösung weiß.


Der Frühling ist endlich gekommen. Seit gestern ist es draußen  warm. Die Sonne scheint, alles grünt und blüht und in mir ruft es nach Veränderung! 

Veränderung: hier, jetzt, sofort! 

Mit diesem Gefühl, das wußte ich gestern genau, darf ich nicht in die Stadt gehen. Der ursprüngliche Plan war, an diesem schönen Tag Fotos von Menschen in kleinen schwarzen Jäckchen zu machen: aber die Verführung, ein Mitbringsel aus der Stadt heimzutragen, dass so ganz und gar nicht in Sparkonzept passt, war zu groß. Also bin ich zu Hause geblieben und habe versucht meine Garderobe im "DIY - Do It Yourself- Verfahren" aufzupeppen. Das Ergebnis war nicht erfolgreich. Geträumt habe ich von einer Kette aus Silber und Korallen, rustikal und doch leicht, fließend und (wie immer) zu allem kombinierbar. Ich habe nichts hinbekommen, was mir wirklich gefällt und meine Gardeobe ultimativ bereichert. Vielleicht hatte ich es mir zu einfach vorgestellt oder mein kreatives Potential zu hoch eingeschätzt.
Do ...
 it ....







yourself !






















Die Modemacherin Vivienne Westwood hat 2011 eine DIY: Do-It-Yourself Collection  herausgebracht, in der sie sich sehr auf ihre eigene Vergangenheit als Nachkriegskind bezieht. Während sie in einer Dokumentation des Fernsehsenders "Arte"von der entbehrungsreichen Zeit spricht und der Kreativität, die sie hervorgerufen hat, sieht man sie in einem selbstgestrickten zweiteiligen Kostüm, das über und über mit gehäkelten Blumen verziert ist. 
Auch die Mode der Punks, die sie in den siebziger Jahren in ihrer Boutique "World's End" in London verkaufte, hatte immer etwas subversives und provokatives. Vivienne Westwood führt ihren ganz persönlichen Anti-Konsum-Krieg, nicht nur als Modemacherin, sondern auch als Künstlerin und Aktivistin, die in Konsum und ununterbrochener Zerstreuung die Hauptübel unserer Zeit sieht. Mit ungewöhnlichen Mitteln erfindet die Modeschöpferin in jeder Kollektion die Mode neu. Paradox, widersprüchlich und non-konformistisch sind die Adjektive, mit denen Lady Westwood nur unzureichend charakterisiert werden kann: sie bleibt ein facettenreiches Juwel - ein Stein mit Ecken und Kanten.