Sonntag, 4. August 2013

Who 's that Man?

Noch 204 Tage bis zum Ende des Projektes

Der 22. Post ist Meike Winnemuth gewidmet. Ihr Buch "Das große Los" ist ein hinreißendes Plädoyer für die Möglichkeit der Veränderung. Ich habe das Buch fast in einem Tag gelesen.


Das Projekt der letzten Woche: eine Unterwasserlandschaft













Eines unserer Lieblingsspiele geht so: Brad Pitt oder Johnny Depp (männliche Schauspieler Jahrgang ca.1960 und Frauentypen), Pierce Brosnan oder Sean Connery (James Bond Darsteller),
Claudia Cardinale oder Sophia Loren (Super Women Italiens)? Die Antwort muß spontan, intuitiv und ohne Begründung blitzschnell auf die Frage folgen. Man darf absolut nicht über die Antwort nachdenken, das ist der Sinn.
Während ich weiß, dass die Antworten auf diese Fragen Brad Pitt, Pierce Brosnan und Claudia Cardinale heißen, gibt es seit einigen Tagen eine echt schwierige Frage, über die es sich nachzudenken lohnt: Jeff Bridges oder Brad Pitt (männliche Schauspieler, die Werbung für ein Modelabel machen)? Natürlich war uns Brad Pitt in seinem Werbespot für Chanel Nr.5  sehr nah und die Methode einen Mann über seine Gefühle zu einen Frauenduft sinnieren zu lassen verstörend neu, aber irgendwie hat der Spot nicht funktioniert (Karl Lagerfeld gefiel er übrigens auch nicht, aber der ist ja auch für die Modelinie zuständig). Und jetzt kommt Jeff Bridges, der (fast) ultimativ coolste Schauspieler. Wer wäre nicht gerne an Stelle von Michelle Pfeiffer gewesen in "Fabulous Baker Boys"? Die Szene am Klavier, in der sie sich nach dem Konzert näher kommen gehört bestimmt zu den Top 5 der erotischen Begegnungen. Auch Fearless (Jenseits der Angst) oder Arlington Road sind Filme, in denen dieser Mann sehr sexy ist. The Big Lebowski oder True Grit und den Film, in dem er den alternden Country Sänger spielt, vergesse ich mal ganz flott, denn da verkörpert er Typen, nach denen sich keine Frau umschaut. Seit wenigen Tagen stellt er nun seine Fähigkeiten in die Dienste des Modelabels Marc O' Polo und erzählt in seinem Kurzvideo "Between the Shots" auf YouTube über den Spaß, in der Modebranche mitzuarbeiten und macht Musik für uns. Eigentlich gar nicht so schlecht: wenn er jetzt wieder seine Haare kürzen würde und seinen Bart abrasierte, wäre die Antwort einfach -  er wäre wieder der Gänsehauttyp aus Baker Boys.....
Aber der Mann macht sein eigenes Ding. Er sieht ein bißchen aus wie Mark Twain, trägt naturweiße gestrickte Zopfpullover, spielt mit großem Spaß Countrymusik auf der Gitarre und sieht aus, wie ein glücklicher Mensch, der es nicht mehr nötig hat, einem Ideal zu entsprechen und einfach nur gut drauf ist.

Okay, die Antwort ist einfach: Jeff Bridges, weil er genau das macht, was sich jede Frau ab einem gewissen Alter wünscht: nicht mehr dem Idealbild der anderen entsprechen zu müssen, machen können was man selber will und jede Menge Spaß dabei haben.







Montag, 29. Juli 2013

Born to shop - Kassensturz im Juli

Noch 210 Tage bis zum Ende des Projektes

Der 21. Post ist der erstaunlichen Tatsache gewidmet, dass sich mein Geld einfach nicht vermehrt. Wie kommt das?



Jonas Gerhards: Ohne Titel



Mein Kassensturz im Juli ist eine bittere Pille, die ich kaum schlucken mag. Gefühltermaßen habe ich nichts gekauft, nichts heißt in diesem Fall keine Kleidung. Dafür Kosmetik, Friseurbesuch, einen Badeanzug (musste sein!) und ein TK Maxx Schnäppchen: eine Handtasche, die um 70% reduziert war - wer kann dazu schon nein sagen? Auf der Skala von 1 bis 6 war ich also in diesem Monat mit 6 der absolute Loser und sollte mich über gar nichts wundern. Verdient habe ich auch nichts zusätzlich, so dass die Antwort auf die Frage: wie kommt das? sehr einfach ist: von nichts kommt nichts.

Im letzten Spätsommer veröffentlichte meine Lieblingsfrauenzeitschrift "Brigitte" eine Serie von Kleidungsstücken, die in Zusammenarbeit mit der Bekleidungsfirma Tom Tailor entworfen, produziert und in ausgewählten Shops und im Internet exklusiv verkauft wurden. Die Zeitschrift warb für dieses Projekt mit schön fotografierten Modestrecken in eigener Sache. Die Idee war ein Modebaukasten, in dem jedes Teil einer Linie fast mit jedem anderen Teil  kombiniert werden konnte. Der  Stil war urban, lässig und jung. Der Preis moderat und die Qualität, durch den Namen "Brigitte" und " Tom Tailor" veredelt versprach nicht gerade Billigscheiß. 
Ich liebe Baukästen jeder Art: sie sind durchdacht, gut strukturiert und vielseitig anwendbar. Die Elemente eines Baukastens sind nicht eigenwillig oder krumm, sie verändern weder ihre Textur, noch ihr Aussehen, noch ihre Haptik, sie werden auch nicht größer oder kleiner, wenn man sie benutzt. Die Elemente des Brigitte Baukasten-Bekleidungsystems jedoch veränderten schon nach kurzer Zeit ihre äußere Form. Der Pulli wurde immer breiter, Rock und Kleid bekamen diese fiesen kleinen Pilling-Kügelchen, die ein Kleidungsstück immer ungepflegt und billig aussehen lassen - und das schon nach der ersten Wäsche. Nach der Zweiten wurde es schlimmer, und danach habe ich nur noch das Kleid angezogen, aber bestimmt auch nicht öfter als ein Mal.
Um auf Rebecca Willis zurück zu kommen und ihr Manifest für gute Kleidung (Clothes: A Manifesto, in: Economist, March/April 2013): wir sind nicht born to shop, wie es auf einem T-Shirt steht. Shoppen ist eine Gewohnheit, keine Notwendigkeit. Eine ganze Generation ist zum Shoppen erzogen worden. Kam der Begriff in Deutschland nicht auch erst in meinen heißgeliebten, vom Hedonismus geprägten 1980-er Jahren auf? Seitdem leben wir in einer konsumorientierten, nach Neuheiten suchenden Kultur.
Die Dinge zu durchschauen und der Wunsch etwas zu verändern sind erste Ansätze eines neuen Bewußtseins. Wie schwierig die Veränderung ist, erlebe ich in meinem No-Shopping Projekt permanent. Ich bin gespannt, wie weit ich in 210 Tagen bin.

Mittwoch, 24. Juli 2013

F wie Fake

Noch 215 Tage bis zum Ende des Projektes


Der 20. Post ist Sascha gewidmet, der mich mit seiner Frage: was ist das Faszinierende an Königshäusern erst zum Quatschen und dann zum Nachdenken brachte.



Dies ist kein Original Basquiat.


Zum Glück bin ich im Fernsehen dann doch noch ganz gut rüber gekommen, was das Quatschen anging, Mein Aussehen hingegen glich wirklich einer Königinmutter - so schräg von unten, mit Doppelkinn, das ging  gar nicht, aber ich bin sicher, es hat auch keiner um Mitternacht das RTL- Nachtjournal gesehen.
An diesem wahnsinnig heißen Tag hatte ich beim Friseur gesessen, als die Geschäftsführerin ankündigte, dass sich ein Team von RTL angekündigt habe, um die Kundinnen über den Nachwuchs im englischen Königshaus zu interviewen. Da Flucht zwecklos war, ergaben sich alle Kundinnen in ihr Schicksal, willigten ein mitzumachen und hofften still, dass der Kelch an ihnen vorüber ging.
Die Interviewfrage, was heutzutage immer noch das Faszinierende an Königshäusern ist, hat was Philosophisch-Rätselhaftes. Man quatscht im Interview drauf los und fragt sich nachher: wer hat da gesprochen und was hat sie sagt?
Nichtsdestotrotz blieb die Frage hängen und in der stillen Minute des Haareauswaschens war endlich Zeit darüber nachzudenken: Ich glaube das Faszinierende ist das Einzigartige: dabei geht es nicht um Royality, sondern um etwas Nicht-Kopierbares. Das Original macht den Unterschied! Heutzutage hat ja jeder Promi einen Doppelgänger - sicher auch Kate und William oder die Queen. Wenn die Doppelgänger Eltern werden oder in Münster ein Fahrrad um fällt, so ist das völlig belanglos. Wenn aber die  englischen Thronfolger Nachwuchs bekommen, hat die Dynastie Zukunft. Das englische Königshaus rettet sich in die nächste Generation. Die Abstammunglinie der königlichen Familie ist nicht unterbrochen, das Original lebt weiter.

Eine ähnliche Frage beschäftigt mich seit Tagen: ist es in Ordnung, im Internet bei einem Versand, der mit Replika, also Fälschungen von Markenartikeln handelt, etwas zu kaufen?
Dass es illegal ist, steht außer Frage, aber soll man wirklich eine vierstellige Summe für ein Markenprodukt, z.B. eine Handtasche ausgeben, wenn man den "Nachbau"  für einen Bruchteil des Geldes haben kann? Die Gespräche mit Freunden waren eindeutig, wenn auch die Gründe unterschiedlich waren. Alle meinten, ein Original sei erstrebenswert, das Material , die Verarbeitung, das gewisse Etwas im Design, die Freude, es zu besitzen und zu benutzen - all das waren ausschlaggebende Gründe für Originalwaren; schließlich auch die Idee, dass es total peinlich sein muss, mit einer Fälschung entdeckt zu werden. Und mal ganz ehrlich: wer denkt nicht bei jeder Louis Vuitton Tasche, die er sieht daran, dass die Trägerin dieses Schnäppchen bestimmt auf einem türkischen oder spanischen Markt erstanden hat. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass jeder Louis Vuitton Store nur zwei Artikel pro Käufer veräußert, um Exklusivität zu garantieren und den Markt nicht mit Louis Vuitton Produkten zu überschwemmen - sehr zum Leidwesen der Japanerinnen, die bei europäischen Shoppingtrips gewzwungen sind in verschiedenen Städten einzukaufen, um ihren Bedarf zu decken.

Sonntag, 14. Juli 2013

Shopping Diät

Noch 226 Tage bis zum Ende des Projektes


Der neunzehnte Post ist Andrea gewidmet, die in 5 Monaten 25 Kilo abgenommen hat, ich habe sie nur an ihren Augen und ihrer Stimme erkannt. Sie sieht supergut aus. Nahrungsdiät versus Shopping Diät.




Dublin 2013


Die ersten hundert Tage meiner Shopping Diät sind um. An manchen Tagen merke ich gar nicht, dass ich Diät mache, dann ist alles einfach und ich denke nicht an Mode, andere Tage hingegen sind weitaus gefährlicher. Wenn z.B. die ersten Kataloge mit der Herbstmode ins Haus geflattert kommen, wenn sich - bei einer Außentemperatur von 26° Grad im Schatten - die Idee festsetzt, dass ein harmloses dunkelblaues Wollmützchen und ein dazu passender Schal genau das sind, was ich im Herbst brauche, um meinen Winterjacken den letzten Schliff zu geben! Im Grunde weiß ich doch ganz genau, dass sich weder ein blaues Wollmützchen lohnt, noch ein erneuter Rückfall in alte Shopping-Gewohnheiten. Das absolute Lieblingskleid, deswegen ich im Juni meine guten Vorsätze vergaß, ist zwar ein wunderschönes Kleid geblieben, das Versprechen, das es mir gab, nämlich mich auf immer und ewig zu verschönern hat es nicht wirklich eingelöst. 

Ein erneuter Rückfall lohnt sich definitiv nicht und würde vielleicht sogar das Projekt in Frage stellen. Dann würde aus No-Shopping ein Smart-Shopping-Projekt und das ist nicht das, was ich möchte. Ich bin also definitiv immer noch gefährdet.
Heute Morgen hörte ich im Radio von Harald Belzer und seinem Buch "Selber Denken". Was mir in Erinnerung blieb, ist die Tatsache, dass alle Deutschen 2013 doppelt so viele Klamotten im Kleiderschrank haben, wie 2003. Ist das wirklich erstaunlich, wenn man in den Billig-Textilketten T-Shirts schon ab 5 € kaufen kann?

In meinem Zimmer habe ich einen kleinen Buchschrein für das Buch: Little Black Jacket von Carine Roitfeld und Karl Lagerfeld aufgebaut. In diesem Buch sind 113 Personen im kleinen schwarzen Jäckchen ganzseitig fotografiert. Obwohl jeder das gleiche schwarze Jäckchen trägt, sind Frauen und Männer doch so unterschiedlich gestylt, dass jedes Foto eine Geschichte erzählt. Jeden Tag blättere ich eine Seite um und versuche mich mit dem Foto zu verbinden. Dieses Buch soll mich inspirieren, verschiedene Stylings um ein Kleidungsstück herum zu probieren, aber es hat auch ein Geheimnis: was macht guten Stil aus? Wieso kann ein Jäckchen so viele Geschichten erzählen und wer von denen bin ich?

Montag, 8. Juli 2013

Schwarze Serie


Noch 232 Tage bis zum Ende des Projektes


Der 18. Post ist meiner Freundin Barbara gewidmet. Seitdem mein No-Shopping-Projekt läuft, bemerkt sie,dass sie statt eines T-Shirts immer gleich mehrere kauft, weil sie sich nicht entscheiden kann.




Retrochic anno 2013



Ich habe eine schwarze Serie. Alles geht kaputt. Es fing damit an, dass unser schönes schwarzes Gazelle Hollandrad, Baujahr 1960 gestohlen wurde, dann ging dass Auto kaputt, Waschmaschine und Spülmaschine folgten in kurzem Abstand, der Duschkopf tröpfelt nur noch und läß sich zum Entkalken nicht abnehmen. Die Badezimmerlampe wurde vom Gatten aufgefangen, als sie von der Decke fiel, die kleine Lampe im Fernsehzimmer bleibt dunkel, obwohl eine neue Glühbirne drin ist und das Telefon klingelt lautlos, was niemandem etwas nützt.

Zum Geburtstag bekam ich von meiner Familie die heißersehnte Dockstation. Jetzt kann ich ohne Kopfhörer in zimmerlautstärke Musik vom Smartphone hören. Das Retro-Design hat mich jedoch ein wenig schockiert. Was will es mir sagen? Etwa: ich bin so stabil wie die Geräte von früher, ich gehe nicht kaputt, mit mir wirst du alt? 
Und wenn es so wäre - die Dockstation hat eine Eingangsbuchse für ein Smartphone der 4-er Serie, spätestens wenn ich das Nachfolgemodell haben werde, paßt der Stecker nicht mehr, weil der der 5-er Serie nur noch halb so groß ist. Nichts ist für die Ewigkeit!

Was bedeutet das in Bezug auf unsere Kleidung? Rebecca Willis beschäftigt sich in ihrem Artikel: Clothes: A Manifesto (erschienen im Economist, March/April 2013) damit. Sie schreibt, wir shoppen nicht aus Notwendigket, wir shoppen aus Gewohnheit. Eine ganze Generation ist zum Shoppen erzogen worden, weil sie in einer konsumorientierten, nach Neuheiten suchenden Kultur groß geworden ist; aber auch weil ihre Kleidung auseinander fällt. (Der Saum löst sich auf, weil zu sparsam mit dem Stoff gearbeitet wurde.) Was ist mit der Qualität von Kleidungsstücken passiert? Halten jene Kleidungsstücke länger als eine Saison, die in schönen Fabriken gut zugeschnitten und verarbeitet wurden und in tollen Geschäften ordentlich auf Kleiderbügeln hängen? Außer in kleinen, fast kunsthandwerklich arbeitenden Betrieben, ist das gute alte Handwerk der Schneiderkunst ausgestorben. Die Heinzelmännchen von Köln sind vertrieben worden und Kleidung oder Mode ist mehr eine konzeptionelle Idee, eine Vorstellung, die während des industriellen Herstellungsprozesses keinen Wert mehr an sich hat.
Der TV-affine Stardesigner Guido Maria Kretschmer würde in diesem Zusammenhang vielleicht bemerken, dass niemand mehr "textil denkt".

Es sollte doch so sein, dass die Qualität umso höher ist, je mehr man für das Kleidungsstück bezahlen muß. Dann würde vielleicht auch weniger gekauft. Der Wirklichkeit wird dieser Idee aber nicht gerecht: man kann durchaus signifikante Summen zahlen und vielleicht ist die Herstellung auch schöner, aber noch immer sitzen die Knöpfe locker und fallen ab oder die Nähte reißen, weil die Nahtzugabe zu kurz gefasst ist.
Wenn Rebecca Willis den ausgewählten Frauen die Frage stellt, ob Kleidungsstücke für immer halten sollen, antwortet nur eine mit "nein": Frauen wollen eine kleine Auswahl besser hergestellter Kleidung. (Fortsetzung folgt)



Sonntag, 30. Juni 2013

Wollen, brauchen, haben .... Kassensturz im Juni

Noch 240 Tage bis zum Ende des Projektes


Der siebzehnte Post ist der starken Farbe schwarz gewidmet, die sich in letzter Zeit zu meiner Lieblingsfarbe entwickelt: schwarz ist streng, schafft Distanz, macht den Träger unauffällig und rückt sich selbst in den Hintergrund.


Zeichnung: privat




Nachdem ich in der letzten Woche, in meinem 6er Projekt zwei weiße Blusen hatte, sehne ich mich regelrecht nach der Unsichtbarkeit. Weiß ist so dermaßen dominant, dass ich mich mit meinen Blusen absolut im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gefühlt habe (ich glaube, manchen Leuten ergeht es so mit der Farbe rot, die für mich emotional kein Eyecatcher ist).  Weiß ist feingemacht, weiße Kniestrümpfe und Sonntagskleider, weiß sollte man nicht beschmutzen, weiß ist rein, sauber, hell und frisch. Weiß ist definitiv nicht meine Farbe!
Mit meiner weißen Bluse, einem hellbraunen Strickmantel, beigen Caprihosen und Converse bin ich mir im Einkaufszentrum im Spiegel begegnet und hätte fast vor Entsetzen laut aufgeschrien! Gibt es in meinem Haushalt keinen vernünftigen Ganzkörperspiegel, in den ich am Morgen hätte reinschauen können, um den Anblick zu vermeiden? Es sah furchtbar aus, die Proportionen waren völlig unstimmig! Also schnell rein zu Tamaris und ein paar sehr schöne hellbraune Absatzsandaletten gekauft und gleich anbehalten. Das Selbstbewußtsein stieg von null auf hundert und ich hatte in diesem Monat einen ganz wahnsinnigen Rückfall.

Zu meinem Glück oder Unglück ist das Konto sauber im grünen Bereich und es ist diesen Monat auch noch etwas übrig geblieben. Moralisch habe ich mit und ohne Vorsatz kläglich versagt und schwöre mir, dass das nicht wieder vorkommt, denn das Glück der erworbenen Dinge hat auch nicht so mega lange angehalten. Der Gott der schönen Dinge ist mit mir und wird mir helfen den Versuchungen zu widerstehen.
In diesem Monat habe ich ein paar rustikale Schnürschuhe aus Lack für die kalte Jahreszeit nicht gekauft.
Auf einer Skala von 1-6 viel mir das Verzichten so schwer, dass ich mich bei 6 einordne: ich habe Sandalen und einige Kleidungsstücke der neuen Lieblingsmarke gekauft. 
Ich fühle mich zwar nicht als Versager dieses Projektes (weil es ja weiter geht), aber ich habe schon das Gefühl, dass dieser Monat nicht als Verzichtmonat zählt. Dafür wird der Kleiderschrank immer übersichtlicher: ich kann mich von vielen Sachen trennen und fühle mich dadurch erleichtert. Das 6er Projekt (6 Items or Less oder wie ich es nenne: 6 Items and One), in dem man eine Woche nur eine begrenzte Anzahl von Kleidungsstücken trägt, macht mir nach wie vor Spaß und läßt meinen Kleiderauswahl riesengroß erscheinen. Was in diesem Zusammenhang untragbar erscheint wandert in das Zwischenlager im Keller - so habe ich die Option, nocheinmal darauf zurückgreifen zu können, wenn ich etwas wirklich vermisse. Denn Sachen spontan und gnadenlos weg zu werfen ist in meiner Situation genauso kontraproduktiv, wie Spontankäufe. Ein neuer, persönlicher Stil muss sich langsam entwickeln.

Sonntag, 23. Juni 2013

... die reißen sich den Arsch für Mode auf ...

Noch 247 Tage bis zum Ende des Projektes

Der 16 Post ist Dr. Edward Bach gewidmet, dem Vater der Bachblüten: Zaubermittel gegen seelische Verstimmungen. Gibt es auch eine Pflanze, die die seelische Abhängigkeit kuriert?




Installation: Jonas Gerhards 2013



Seit meinem Shopping-Rückfall vor einigen Wochen geht es mir schlecht. Jetzt hängt das tolle Zeug am Kleiderbügel und ich freue mich nicht etwa darüber, dass ich es besitze und lauthals rufen kann: meins, meins, meins! 
Nein, ich will noch mehr!! Einen passenden Rock etwa oder ein schönes Kleid oder eine Bluse, einen Pulli oder eine Tunika. Ich verschwende Zeit damit, auf Ebay nach Schnäppchen zu stöbern (schrecke aber letztendlich vor dem Bieten zurück, weil immer noch ein Rest Skrupel meine Seele beschützt) und frage mich zwischenzeitlich, was ich da eigentlich mache: ich propagiere die Entrümpelung der Kleiderschränke und hole mir Zeug ins Haus, um sie wieder voll zu stopfen. Ich jammere darüber, dass am Monatsende weniger Geld als erwartet ins Sparschwein wandert und will dann noch etwas ausgeben? 
Die Überschrift des heutigen Posts ist ein Zitat aus einer "Shopping Queen" Folge der letzten Woche und beschreibt zwei gut gekleidete Bloggerinnen; übrigens weder die Eine noch die Andere gewannen die Mottoshow, sondern eine tolle, über und über tätowierte Massagetherapeutin aus St. Pauli.

Rebecca Willis schreibt in "Clothes: A Manifesto" : ja, die meisten von uns lieben Kleidung, es liegt etwas in der Luft, dass uns Lust aufs Shoppen macht, gerade, wenn wir es nicht brauchen. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir deswegen wie Idioten behandelt werden wollen. Wir wollen nichts kaufen nur um im Trend zu sein. Frauen sind nicht blöd; sie machen sich keine Illusionen über die Vorsätze der Modeindustrie. Sie existiert nicht, um uns mit Kleidung zu versorgen, sondern um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir wissen, dass wir manipuliert werden. 
Aber tolle Kleidung anzuschauen, kann wie ein Museumsbesuch sein (und ich weiß, wovon ich rede), mit Kunst-Stücken, die man anziehen kann. Meist jedoch müssen wir uns mit der Tyrannei eines Looks auseinandersetzen, der für dünne, knabenhafte Figuren konzipiert ist und allzu häufig die Farbe Weiß benutzt. Unbeschreiblich schlechte Qualität, erschreckend hohe Preise und Kollektionen, die nicht dem Wetter entsprechen. Langsamere Mode, langsamere Kollektionswechsel sind bislang nur fromme Wünsche der Konsumentinnen. Aber, wenn es nicht mehr als zwei Kollektionen im Jahr gäbe (statt der üblichen vier bis sechs) würde auch der Stresspegel der Designer gedämpft und weniger Mode würde unverkauft und ungetragen vernichtet werden.
Heutzutage geht jeder Look, alles ist möglich, es gibt keine dominanten Mode mehr. Das ist Ausdruck von Pluralität und Toleranz und hört sich erst mal richtig gut an: alles ist möglich. Die Kehrseite dieser Medaille aber ist, dass jeder Hersteller versucht, für jede Frau alles anzubieten, um ein kleines Stück vom Kuchen abzubekommen. Es lohnt sich nicht mehr, auf ein Kleidungsstück zu sparen: wer weiß, ob es das in zwei Monaten noch gibt oder gar nachgeordert werden kann? Die Überziehung des Kreditkartenlimits ist auch keine langfristige Lösung. Viel Auswahl zu haben, muss nicht schlecht sein, aber wenn die Kollektionen so schnell wechseln, kann auch das Traumkleid schnell nicht mehr zu haben sein. Dieses atemberaubende Tempo ist der springende Punkt für uns: wir wollen bessere Kleidung, nicht schlechtere. Eine 50 jährige New Yorkerin äußert sich in der Befragung folgendermaßen: "warum sehen Verkäuferinnen so gekränkt aus, wenn du im Winter nach Pullis fragst, während sie gerade die Sommerkleider dekoriert haben?"  (aus Rebecca Willis: Clothes A Manifesto, erschienen in der März/April Ausgabe von The Economist, 2013. Fortsetzung folgt)