Der 16 Post ist Dr. Edward Bach gewidmet, dem Vater der Bachblüten: Zaubermittel gegen seelische Verstimmungen. Gibt es auch eine Pflanze, die die seelische Abhängigkeit kuriert?
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| Installation: Jonas Gerhards 2013 |
Seit meinem Shopping-Rückfall vor einigen Wochen geht es mir schlecht. Jetzt hängt das tolle Zeug am Kleiderbügel und ich freue mich nicht etwa darüber, dass ich es besitze und lauthals rufen kann: meins, meins, meins!
Nein, ich will noch mehr!! Einen passenden Rock etwa oder ein schönes Kleid oder eine Bluse, einen Pulli oder eine Tunika. Ich verschwende Zeit damit, auf Ebay nach Schnäppchen zu stöbern (schrecke aber letztendlich vor dem Bieten zurück, weil immer noch ein Rest Skrupel meine Seele beschützt) und frage mich zwischenzeitlich, was ich da eigentlich mache: ich propagiere die Entrümpelung der Kleiderschränke und hole mir Zeug ins Haus, um sie wieder voll zu stopfen. Ich jammere darüber, dass am Monatsende weniger Geld als erwartet ins Sparschwein wandert und will dann noch etwas ausgeben?
Die Überschrift des heutigen Posts ist ein Zitat aus einer "Shopping Queen" Folge der letzten Woche und beschreibt zwei gut gekleidete Bloggerinnen; übrigens weder die Eine noch die Andere gewannen die Mottoshow, sondern eine tolle, über und über tätowierte Massagetherapeutin aus St. Pauli.
Rebecca Willis schreibt in "Clothes: A Manifesto" : ja, die meisten von uns lieben Kleidung, es liegt etwas in der Luft, dass uns Lust aufs Shoppen macht, gerade, wenn wir es nicht brauchen. Aber das heißt noch lange nicht, dass wir deswegen wie Idioten behandelt werden wollen. Wir wollen nichts kaufen nur um im Trend zu sein. Frauen sind nicht blöd; sie machen sich keine Illusionen über die Vorsätze der Modeindustrie. Sie existiert nicht, um uns mit Kleidung zu versorgen, sondern um uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wir wissen, dass wir manipuliert werden.
Aber tolle Kleidung anzuschauen, kann wie ein Museumsbesuch sein (und ich weiß, wovon ich rede), mit Kunst-Stücken, die man anziehen kann. Meist jedoch müssen wir uns mit der Tyrannei eines Looks auseinandersetzen, der für dünne, knabenhafte Figuren konzipiert ist und allzu häufig die Farbe Weiß benutzt. Unbeschreiblich schlechte Qualität, erschreckend hohe Preise und Kollektionen, die nicht dem Wetter entsprechen. Langsamere Mode, langsamere Kollektionswechsel sind bislang nur fromme Wünsche der Konsumentinnen. Aber, wenn es nicht mehr als zwei Kollektionen im Jahr gäbe (statt der üblichen vier bis sechs) würde auch der Stresspegel der Designer gedämpft und weniger Mode würde unverkauft und ungetragen vernichtet werden.
Heutzutage geht jeder Look, alles ist möglich, es gibt keine dominanten Mode mehr. Das ist Ausdruck von Pluralität und Toleranz und hört sich erst mal richtig gut an: alles ist möglich. Die Kehrseite dieser Medaille aber ist, dass jeder Hersteller versucht, für jede Frau alles anzubieten, um ein kleines Stück vom Kuchen abzubekommen. Es lohnt sich nicht mehr, auf ein Kleidungsstück zu sparen: wer weiß, ob es das in zwei Monaten noch gibt oder gar nachgeordert werden kann? Die Überziehung des Kreditkartenlimits ist auch keine langfristige Lösung. Viel Auswahl zu haben, muss nicht schlecht sein, aber wenn die Kollektionen so schnell wechseln, kann auch das Traumkleid schnell nicht mehr zu haben sein. Dieses atemberaubende Tempo ist der springende Punkt für uns: wir wollen bessere Kleidung, nicht schlechtere. Eine 50 jährige New Yorkerin äußert sich in der Befragung folgendermaßen: "warum sehen Verkäuferinnen so gekränkt aus, wenn du im Winter nach Pullis fragst, während sie gerade die Sommerkleider dekoriert haben?" (aus Rebecca Willis: Clothes A Manifesto, erschienen in der März/April Ausgabe von The Economist, 2013. Fortsetzung folgt)

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