Freitag, 26. April 2013

Cotton made in Africa

Noch 307 Tage bis zum Ende des Projektes



Der sechste Post ist allen Müttern gewidmet, die es ihren Kindern ermöglichen, sich auf ihren Rücken auszuruhen.

Babytragetuch aus Baumwolle, Westafrika

Afrikanische Baumwolle verbinde ich persönlich mit Handwerkskunst. Handgefärbte oder gebatikte Stoffe, natürliche Farben wie erdbraun oder indigoblau, anschmiegsame und weiche Qualität, der eine Wäsche in der Maschine gefährlich werden kann. 
Ich hege meine afrikanischen Stoffe und beobachte argwöhnisch, wie die Sonne die Farben immer stärker ausbleicht und aus dem ehemals schwarzen Muster mit der Zeit ein Graubraunes wird. Da ich nicht in einem Museum lebe, gestatte ich den Dingen, sich zu verändern.


Als ich begann, mich mit dem Thema "Cotton made in Africa" (CmiA) zu beschäftigen, war ich grundsätzlich von der Idee begeistert, dass nun ganz viel weiche, afrikanische Baumwolle auf dem Markt zu haben ist und eine Konkurrenz zu amerikanischer, hoch subventionierter Ware darstellen könnte. Obwohl mir auch bewußt war, dass Baumwolle für die industrielle Produktion eine andere Qualität besitzt, als meine Tücher, sah ich doch die Chance für nachhaltig produzierte, zu fairen Bedingungen hergestellte und gut bezahlte Ware. Cotton made in Africa schien die Lösung zu sein.

Weit gefehlt! Obschon Firmen wie Puma, H+M, C&A, Otto, Adidas und Ikea ihr Warenangebot mit afrikanischer Baumwolle ergänzen und sich auch bestimmte Fristen gesetzt haben, zu denen sie mit CmiA den Durchbruch auf dem Massenmarkt geschafft haben wollen, ist ihr Engagement in dieser Richtung durchaus kritisch zu sehen. Hier wird mit der Tatsache gespielt, dass Marken und Labels Vertrauen suggerieren, aber nicht unbedingt auch rechtfertigen, wenn man genauer hinschaut.

Bis zum Jahre 2015 will Ikea seine Produktion auf nachhaltige Baumwolle umstellen, Adidas und Otto setzen auf das Jahr 2018, C&A und H+M lassen sich bis 2020 Zeit.

Nachhaltige Baumwolle (CmiA) hat aber nichts mit Bio-Baumwolle zu tun! Es handelt sich bei CmiA und BCI (Better Cotton Initiative) lediglich um ein Baumwollvertragsanbausystem, das meilenweit entfernt ist von ökologischer Landwirtschaft und nur minimale soziale Standards einhält. Das Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, ist ein Menschenrecht und es scheint geradezu beschämend, wenn eine Initiative wie CmiA oder BCI sich mit der Einhaltung dieser Grundrechte brüstet.

Baumwollabnahmepreise über Weltmarktniveau, wie es die Fair Trade fordert, sind bei CmiA und BCI kein Thema. Gentechnisch verändertes Saatgut ist seit Sommer 2012 erlaubt und auch Pestizide werden verwendet. Damit die Baumwollbauern wissen, wie man mit diesen heiklen Stoffen umgeht, werden sie geschult.

Biobaumwolle, die nach strengen Qualitätskriterien angebaut und vermarktet wird, ist keine Konkurrenz zu nachhaltig produzierter Baumwolle von CmiA und BCI. Biobaumwolle kann niemals die Produktionsmengen erreichen, die von den größten Abnehmern gefordert werden. Auch der Preis der fair gehandelten Ware (Fair Trade) liegt deutlich über dem Weltmarktniveau. Diese ökologischen und ökonomischen Ansprüche  senken natürlich die Profite der Händler zugunsten der Hersteller.

Warum haben Textilriesen wie Walmart, H+M und C&A ein so großes Interessen an afrikanischer Baumwolle von CmiA und BCI ? Ganz einfach: die Wachstumsmärkte in Asien werden in Zukunft große Mengen an Baumwolle verlangen. Durch ihre Initiative und die enge Zusammenarbeit mit afrikanischen Baumwollfarmern sichern sich die großen Textilhändler qualitativ akzeptabele Baumwolle zu kalkulierbaren Preisen.  

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